Ausstellungen

Münchens Museen im Mai: Verletzlichkeit und Party

Home Suite Home, Kissimmee, Florida“ von Alec Soth
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Zu sehen im Kunstfoyer: „Home Suite Home, Kissimmee, Florida“ von Alec Soth

Die Münchner Museen bieten im Mai ein besonders breites Spektrum an Themen.

Die Ausstellung »Gathered Leaves« im Kunstfoyer München (3.5. - 24.7.), ermöglicht in einer umfassenden Schau mit rund 90 Werken, Publikationen und begleitenden Entwürfen einen tiefen Einblick in das Schaffen Alec Soths, einer der wichtigsten aktuellen Vertreter der Dokumentarfotografie.

Im Kunstfoyer werden die fünf charakteristischen Serien »Sleeping by the Mississippi« (2004), »Niagara« (2006), »Broken Manual« (2010), »Songbook« (2014) sowie »A Pound of Pictures« (2022) präsentiert. Die physischen Landschaften seines Heimatlandes USA – der majestätische Mississippi, die tosenden Niagarafälle, die weiten offenen Wüsten und unberührten Gebiete, die Kleinstädte und städtischen Randgebiete – bilden die Struktur und das Setting seiner poetischen Studien des amerikanischen Lebens. Sujets der Werke von Alec Soth sind die amerikanischen Ideale von Unabhängigkeit, Freiheit, Spiritualität und Individualität, welche der Fotograf in alltäglichen Szenen zum Ausdruck bringt. Das Wesen des Menschen bleibt dabei stets zentraler Aspekt seiner intimen Porträts, sein geschulter Blick richtet sich auf die Geschichte hinter dem visuellen Narrativ - auf die menschlichen Emotionen, persönlichen Schicksale und Sehnsüchte. Dabei folgt Soth stets seinem ästhetischen Ansatz: »to me the most beautiful thing is vulnerability«.

Unschön verletzlich wie seit 1945 nicht mehr scheint derzeit die Idee „Europa“. Dieser widmet sich die Ausstellung Kulturelle Brücken in Europa. Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945 (bis 26.6.) in der Alfred-Kubin-Galerie des sudetendeutschen Hauses. Als einige Adelige aus Böhmen und Mähren nach 1945 Brücken über politische, nationale und gesellschaftliche Grenzen hinweg schlugen, war ihr Wirken von Kultur, Menschlichkeit und christlichem Glauben geprägt. Dank ihrer familiären Verbindungen sowie der Zugehörigkeit zu europäischen und christlichen Netzwerken und geleitet von einem ererbten Verantwortungsgefühl trugen auch sie schließlich zur politischen Wende im Jahr 1989 bei.

Die Ausstellung beleuchtet das Leben und Engagement von Persönlichkeiten wie Johanna von Herzogenberg, Nikolaus Lobkowicz, Franz Schwarzenberg, Richard Belcredi, Ferdinand Kinsky, Daisy Waldstein-Wartenberg, Familie Thun sowie weiterer. Dieses Thema wird bislang in der Forschung nur wenig bis kaum beachtet, vermutlich auch weil es in der Regel abseits der Öffentlichkeit stattfand; darüber hinaus können inzwischen nur noch wenige Zeitzeugen berichten. Neben den Biografien und Aktivitäten einzelner Persönlichkeiten zeigt die Ausstellung auch die Hintergründe ihres Engagements, die sich aus der Einstellung des Adels zum Eigentum, zum Kulturerbe, zur Nation, aber auch aus der christlichen Weltanschauung ergeben.

Fujiko Nakaya. Nebel Leben“ im Haus der Kunst (bis 31.7.) ist die erste umfassende Werkschau von Fujiko Nakaya (*1933 in Sapporo, Japan) außerhalb Japans. Nakaya wurde in den 1960er Jahren als Mitglied des New Yorker Kollektivs Experiments in Arts and Technology (E.A.T.) bekannt und erlangte internationales Renommee für ihre immersiven Nebelkunstwerke, die sich über die traditionellen Konventionen der Bildhauerei hinwegsetzten, indem sie temporäre, grenzenlose Transformationen erzeugten, die das Publikum mit einbeziehen und der Atmosphäre Gestalt verliehen. Schon früh beschäftigte sich Nakaya mit ökologischen Fragen und arbeitete mit Wasser und Luft – Elemente, die angesichts der Klimakrise eine besondere Bedeutung gewonnen haben. Von den frühen Gemälden der Künstlerin bis hin zu ihren Nebelskulpturen, Ein-Kanal-Videos, Installationen und Dokumentationen, die Nakayas kulturelle und soziale Bezüge aufzeigen, bietet diese erlebnisorientierte Ausstellung einen umfassenden Überblick über eine der bedeutendsten Künstlerinnen Japans.

Munich Fog (Fogfall) #10865/II, die Skulptur im Außenraum, sowie Munich Fog (Wave), #10865/I sind neue, für die Ausstellung entwickelte Arbeiten. Sie sind als Performance angelegt, an denen Nebel, Raum und das Publikum teilhaben.

Von Schall und Rauch, äh… Nebel zu „Riss und Raum. Elke Zauner und Pezi Novi“ in der Galerie Bezirk Oberbayern (Bis 1.7.). Die Malerin Elke Zauner setzt sich in ihrem abstrakten Werk mit Licht und Raum auseinander. Allein durch den Einsatz von Farbe, nicht aber aus kalkulierten Vorder- und Hintergründen, entwickelt sie Perspektiven, die die Wahrnehmung des Betrachtenden im besten Sinne des Wortes verwirren. Als vieldeutig emotional werden ihre Farbkonstruktionen erlebt, die die Erinnerung an reale Raumsituationen in sich tragen, sich aber nie eindeutig festlegen lassen. Durch Überlagerungen verschiedener Farbschichten, Lasuren und durch Hell-Dunkel-Kontraste erschafft die Künstlerin mit großzügigem Pinselstrich eine komplexe Bildarchitektur.
Textilien, Papier und Kunststoffe: Mit diesen Materialien experimentiert Pezi Novi und verleiht damit scheinbar wertlosen Resten oder Fundstücken eine neue Identität. Sie hinterlässt Erinnerungsspuren im verwendeten Material, die sich zum Teil als lose Fäden über dieses hinaus fortsetzen. Scheinbar Alltägliches, Bekanntes stellt sie in neue Zusammenhänge. Das gilt im weiteren Sinne auch für die von ihr verwendeten Techniken, die sie aus der Handwerkskunst in einen künstlerischen Prozess überführt: Bereits als Kind fertigte Novi Puppen und Kleidung an und entdeckte später den Stoff als Ausgangsmaterial auch für ihre Arbeit als Künstlerin.

Wenn‘s darum geht eine geballte Ladung neuer Künstler und Künstlerinnen zu entdecken, ist man in München beinahe nirgends besser aufgehoben, als auf der Artmuc (13. – 15.5.) und der Schwestermesse Stroke (19. – 22.5.) auf der Praterinsel. Das Besondere: Die beiden Messen sind und bleiben Entdeckermessen und Verkaufsplattformen für zeitgenössische Kunst, die man sich auch leisten kann. Aber auch ohne drängendes Kaufinteresse ist ein Besuch der beiden Fairs stets ein beeindruckendes, ja bewusstseinserweiterndes Erlebnis.

À propos Bewusstseinserweiterung: Wenn man sich vielleicht noch nicht ganz unbefangen ins Nachtleben stürzen will, kann man sich zumindest das Flair, angereichert mit etwas Nostalgie im Stadtmuseum abholen. Die Ausstellung „Nachts. Clubkultur in München„ (Bis 8.1. 2023) nimmt ihre Besucher mit auf einen Streifzug durch die Münchner Nacht. Besonders in München wird die tragende Rolle dieser Subkultur oft unterschätzt. Das Münchner Stadtmuseum wirft mit dieser kulturhistorischen Ausstellung ein Schlaglicht auf die Münchner Nacht und beleuchtet die Clubkultur als bedeutenden Bestandteil und sozialen Katalysator dieser Stadt. Faszinierende Objekte, atmosphärische Installationen und Fotografien aus acht Jahrzehnten dokumentieren das Nachtleben von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart und machen die Münchner Clubkultur erlebbar.