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Münchens Museen im April: Alles neu im Frühling

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Von: Franz Furtner

Heidi auf LP in Israel
Heidi auf LP in Israel © Heidi Archiv, Heidiseum

Der Frühling hat begonnen und bringt viel Neues in die Münchner Museen.

Heidi In Israel. Eine Spurensuche. Jüdisches Museum (Bis 16.10.)

Heidis Welt sind die Berge, die zum Sehnsuchtsort für ein breites Lesepublikum geworden sind. Auch in Israel fand Heidi ihre Bühne. Die Schweizer Schriftstellerin Johanna Spyri hat mit „Heidi“ (1880) die letzte große Heimat- und Heimweherzählung Europas geschrieben, die weltweit, und so auch im damaligen Palästina und späteren Israel, die Jugenderinnerungen unzähliger Menschen geprägt hat.
Die Motive, die in „Heidi“ zur Sprache kommen, waren für viele Leserinnen und Leser von großer emotionaler Bedeutung. 1946 wird Spyris Roman erstmals ins Hebräische übersetzt, zu einer Zeit, in der die Themen Heimat, Heimatverlust und Neubeginn höchst relevant waren. Der Roman gehört seitdem auch in Israel zum Kanon der Kinderliteratur, mit einer vielfältigen Rezeptions- und Wirkungsgeschichte, reich an Übersetzungen, Adaptionen und Neuausgaben. Doch „Heidi“ ist in Israel nicht nur als Buch bekannt. Ob auf der Kinoleinwand, als Theaterstück oder als Hörspiel ― das berühmteste Schweizer Mädchen ist Teil der kulturellen Identität und längst auch in den Sozialen Medien angekommen. Die Ausstellung nimmt Besucherinnen und Besucher mit auf eine spannende Entdeckungsreise durch die jahrzehntelange Rezeptionsgeschichte des Schweizer Kinderbuchklassikers in Israel. Althergebracht und völlig neu zugleich.

Misha Kahn. Under the Wobble Moon. Objects from the Capricious Age. Villa Stuck (7.4. – 10.7.)

Stehen wir am Beginn eines neuen Zeitalters? Zumindest sollten wir uns wohl mit dieser Vorstellung vertraut machen. Unsere physische Existenz erweitert sich in das „Metaverse“. Dort entstehen neue Möglichkeiten der Interaktion durch eine allumfassende virtuelle Welt, in der wir genauso leben werden wie in der sogenannten Realität. Unsere Umgebung, die Erde verändert sich, nicht zuletzt durch den von uns Menschen verursachten Klimawandel. Die Unsicherheit wächst, wir sind Getriebene eines Schicksals, das wir selbst zu verantworten haben. Im Bewusstsein dessen wirkt die Vorstellung von Stabilität, wie sie bis heute als erstrebenswerter gesellschaftlicher Zustand gilt, geradezu obszön.
Die bislang umfassendste Ausstellung mit Arbeiten von Misha Kahn (*1989) und die erste in Europa überhaupt erforscht in verschiedenen Räumen und Anordnungen Objekte, die für einen Ort geschaffen sind, der außerhalb unseres Status quo auf der Erde existiert. Ein Ort, ein Raum, in dem der wackelnde Mond, den der Titel der Ausstellung zitiert, das Wasser in unserem Körper von einer Seite zur anderen zieht, viel mehr aber noch die fluiden Ideen, Emotionen und Energien, die jenseits der für uns verstehbaren Realität schweben.

Menschen, Bilder Orte – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Staatliches Museum Ägyptischer Kunst (8.4. – 31.7.)

Die Wanderausstellung ist ein Projekt des Jüdischen Museums in Köln, konzipiert von der leitenden Kuratorin Dr. Laura Cohen. Kombiniert wird die multimediale Ausstellung mit Werken des Fotografen Noah Cohen. Im Mittelpunkt der Wanderausstellung stehen bedeutende und weniger bekannte Persönlichkeiten, die mit ihren Biografien und Lebenswegen markante Ereignisse und Epochen jüdischer Geschichte in Deutschland widerspiegeln und die Perspektive auf den europäischen Raum ausweiten. Sie tourte anlässlich des Festjahres 2021 durch Nordrhein-Westfalen und ist nun erstmals in Bayern zu sehen. Im Ägyptischen Museum kommen die Porträts von jüdischen Menschen dazu, darunter auch Münchnerinnen und Münchner, fotografiert von Noah Cohen. Der Fotograf porträtiert sie an ihren Lieblingsplätzen und jenseits aller Stereotype. So weiten die Fotografien die Wanderausstellung in den bayerischen Raum hinein. 

Neue Nachbar*innen. Architekturmuseum der TUM. (Bis 5.6.)

Die Sammlung des Architekturmuseums der TUM wächst beständig durch die Übernahme von Planungsmaterial zu einzelnen Projekten, aber auch durch komplette Vor- und Nachlässe. Zahlreiche bedeutende Neuzugänge des Archivs aus den letzten Jahren werden in dieser Ausstellung beispielhaft als „neue Nachbar*innen“ mit ausgewählten Objekten des Altbestandes in einen spannungsvollen Dialog gebracht. Dabei wird die große Vielseitigkeit der Sammlung sichtbar: neben den klassischen, oft virtuos ausgeführten Handskizzen und Zeichnungen finden sich auch CAD-generierte Plansätze, unterschiedliche Positionen der Architekturfotografien aber auch Wettbewerbs-, Konstruktions- und Arbeitsmodelle sowie realitätsnahe 3D-Renderings. Ziel der Ausstellung ist es, die Sammlung als ein dynamisches Reservoir des Wissens zu präsentieren, aus dem wertvolle Erkenntnisse zu unserer gebauten Umwelt gewonnen werden können.

Fujiko Nakaya. Haus der Kunst (8.4. – 31.7.)

„Nebel lässt sichtbare Dinge unsichtbar werden, während unsichtbare – wie Wind – sichtbar werden.“ Fujiko Nakaya.
Die Nebelskulpturen von Nakaya (*1933 in Sapporo, Japan) bestehen vollständig aus reinem Wasser. Sie fordern traditionelle Vorstellungen von Skulptur heraus, denn je nach Temperatur, Wind und Atmosphäre verändern sie sich in jedem Augenblick. Die Ausstellung ist die erste Retrospektive der Künstlerin und Bildhauerin außerhalb Japans. Inspiriert vom in den 1970er-Jahren aufkeimenden ökologischen Bewusstsein arbeitet Nakaya seit jeher und bis heute mit Luft und Wasser – Elemente, die inzwischen im Zusammenhang der Klimakrise Bedeutung erlangt haben. Fujiko Nakaya war Teil der von Robert Rauschenberg und Billy Klüver gegründeten Gruppe Experiments in Arts and Technology (E.A.T.). Die frühen Gemälde, Nebelskulpturen, Einkanal-Videos, Installationen und Dokumentationen werden in direkte Beziehung zu dem sozialen und kulturellen Netzwerk der Künstlerin gesetzt. Nakayas Interesse am Prozesshaften anstelle von fertigen Objekten wurde von der wissenschaftlichen Praxis und Ethik ihres Vaters, des Schneephysikers Ukichiro Nakaya beeinflusst.

Spot On: German Pop. Museum Brandhorst (Bis 18.4.)

Parallel zu Andy Warhol und der amerikanischen Pop-Art reagierten auch in Deutschland viele Künstler*innen auf die neue Konsumkultur der 1960er-Jahre. Die schillernden Versprechungen des deutschen Wirtschaftswunders trafen dabei unvermittelt auf die konservative Tristesse der Nachkriegsära. Und so ist es nicht nur Ironie, die hinter den plakativen Darstellungen von Alltagsgegenständen, Werbeanzeigen und fotografischen Reproduktionen steht, sondern auch beißende Kritik.

Ragnar Axelsson. Where the world is melting. Kunstfoyer (Bis 18.4.)

Erste Retrospektive von Ragnar Axelsson aus den Serien Faces of the North (Gesichter des Nordens), Glacier (Gletscher), Last Days of the Arctic (Letzte Tage der Arktis), und Arctic Heroes (Helden der Arktis). Die Themen des bedeutenden isländischen Fotografen sind die Veränderungen in der physischen und traditionellen Realität des Nordens. Mit Gedanken an den viel zu trockenen März, die wohl leider aktuellste Ausstellung in unserer Stadt.

Wildlife Photographer of the Year. Museum Mensch und Natur. (Bis 8.5.) 

Gezeigt werden die preisgekrönten Bilder des gleichnamigen Wettbewerbs für Naturfotografie, der als größter und renommiertester seiner Art gilt und jährlich vom Natural History Museum London ausgerichtet wird. Mit insgesamt 100 faszinierenden Bildern bietet die Ausstellung bewegende Einblicke in das großartige, vielfältige und manchmal auch dramatische Naturgeschehen. Begeistert Groß und Klein.

Karl Valentin: Olympia. Valentin-Karlstadt Musäum (Bis 10.11.)

Im Zeitalter der alternativen Wahrheiten, in dem Meinung mehr zählt als Erkenntnis, lässt sich vieles, so auch die Frage, ob Karl Valentin 1972 an den Olympischen Spielen in München teilgenommen hat, nicht mehr eindeutig beantworten. Etliche behaupten eisern, er wäre bereits verstorben gewesen. Andere versichern glaubhaft, sie hätten ihn, eine Leberkässemmel essend, auf der Besuchertribüne gesehen.

Die Ausstellung geht diesen Behauptungen nach, auf verschiedensten Spuren mit unterschiedlichen Wahrheitsanteilen und mit sehr viel Augenzwinkern. Daneben wird erörtert, wie es zu den Olympischen Spielen 1972 in München kam, welche Folgen für die Stadtgesellschaft damit verbunden waren, aber auch was es mit der „Weltstadt mit Herz“ auf sich hat und ob Karl Valentin dies alles möglicherweise maßgeblich beeinflusst hat.

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