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Kunst ist Sport - Münchens Museen im Juli

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Von: Franz Furtner

Helmut Fischer aka Monaco Franze
Helmut Fischer aka Monaco Franze gemalt von Corinna Reisner aus Originale aus München und dem Rest der Welt © Corinna Reisner

Im Juli stehen Münchens Ausstellungen im Zeichen von Olympia.

Am 26. April 1966 entschied das Olympische Komitee, die Spiele der XX. Olympiade 1972 nach München zu vergeben. Für die Landeshauptstadt war dies eine tiefgreifende Zäsur. Die damit verbundenen Ereignisse und Entwicklungen haben vielfältige Spuren in der Stadt hinterlassen. Das Münchner Stadtmuseum macht diese im Jubiläumsjahr (vom 1.7. – 31.12.) im Stadtraum selbst sichtbar und lädt zu einer Olympischen Spurensuche ein. Erstmals begibt sich das Museum direkt an die historischen Orte des Geschehens. An etwa 20 ausgewählten, im Stadtraum verteilten Stationen werden Besonderheiten und Ereignisse hervorgehoben, die mit den Spielen in Zusammenhang stehen. Olympia 72 steht für weit mehr als die sportlichen Spitzenleistungen, die zwischen dem
26. August und dem 11. September 1972 erbracht wurden. Visionäre Zukunftsideen und Gesellschaftsentwürfe, politischer Gestaltungswille und nüchterner Pragmatismus sowie Begeisterung und Tragödie verdichten sich bei den Olympischen Spielen in München zu einem vielschichtigen Bild, das bei einer Tour durch die Stadt entdeckt werden möchte. Alle Standorte der Informationsstelen finden Sie auf der Website des Stadtmuseum.

Olympia 1972, die Zweite. Auch die Staatliche Münzsammlung widmet sich in der Ausstellung „Mythos München ‚72“ den Spielen. Dabei geht es aber auch weit zurück in die Historie der Verbindung von Olympia und Geld. Das Münzgeld aus dem antiken Griechenland und dem Deutschland von 1972 wird verglichen. So wurden in antiker Zeit zur Finanzierung der Tempelanlagen in Olympia eigens Münzen geschlagen. In München dagegen bezahlte man 1972 mit dem Verkauf von rund 100 Millionen 10-DM-Sonderprägungen teilweise die Sportstätten. In vier Künstlerwettbewerben wurden die Motive gefunden. Vor Ort entscheiden Sie selbst, ob die Jury damals den richtigen Entwurf gewürdigt hat.

Und Olympia zum dritten: Die Stadt München hat zum Jubiläum den Wettbewerb „Startsignale“ ausgerufen: Fünf Kunstprojekte zum Thema werden ab Juli das Stadtbild olympisch einfärben. In Installationen, Performances, Fotoarbeiten und Lichtprojektionen befassen sich die Projekte mit den Ereignissen, Visionen, Utopien und dem Nachleben von Olympia ´72. Am 15. Juli geht es los mit Olaf Unverzarts Rundkurs. Das fotografische Kunstprojekt richtet den Blick auf die 22,8 km lange Strecke des olympischen Straßenradrennen mit Start und Ziel in Grünwald, die 8x durchfahren werden musste. Seine Bilder entstehen an und um der damaligen Strecke, die noch existiert. Sie fokussieren sich auf etwas Alltägliches und Unspektakuläres. Die Verbindung zum Wettbewerb von damals, mit tausenden Zuschauern, Helikoptern, Presse, Mannschaftsfahrzeugen und 184 Startern findet imaginär statt. Was zu sehen sein wird, stammt aus der Gegenwart mit einem subjektiv, künstlerischen Blick, der das Ereignis von 1972 als Grundlage nimmt, sich dem Thema zu nähern. Später im Jahr gibt es noch Arbeiten von Fanti Baum & Sebastian Klawiter, Thomas Mayfried, Vincet Mitzev und Nicole Raabe zu bestaunen. Alle Infos und Termine finden Sie unter www.publicartmuenchen.de

Die Glyptothek zeigt die erste Ausstellung, die den Skulpturen und Gemälden des spanischen Architekten Santiago Calatravas gewidmet ist. Diese sind häufig von der griechischen Antike inspiriert. Vom 21.6. bis 23.10. zeichnet Beyond Hellas: Santiago Calatrava in der Glyptothek die Karriere des Architekten als Bildhauer nach und hebt den Einfluss von Geschichte und Kultur auf Calatravas Designprozess hervor.
Kuratiert von Cristina Carrillo de Albornoz und Florian Knauß, Direktor der Glyptothek, konzentriert sich die Schau auf Calatravas neue skulpturale Serie mit dem Titel „The Aegineten“, die der renommierte Architekt, Ingenieur und Bildhauer in den letzten drei Jahrzehnten entwickelt hat. Die Sammlung umfasst 14 schmiedeeiserne Arbeiten, die als abstrakte Variationen der antiken Krieger des Aphaia-Tempels in Ägina beschrieben werden können. Die Werke sind inspiriert von Calatravas erster Begegnung mit den Marmorarbeiten aus dem spätarchaischen Tempel, der Szenen aus den Trojanischen Kriegen zeigt. „Als ich vor den Kriegern im Tempel der Aphaia in der Glyptothek stand, wurde ich Zeuge einer unerwarteten Modernität und jenseits der Perfektion des Klassizismus“, sagte Santiago Calatrava.
Zu der Ausstellung ist ein umfassender, wunderbar gestalteter Bildband im Hirmer Verlag erschienen.

Kennen Sie „Gustav Mesmer – Der Ikarus vom Lautertal“? Nein? Dann ab in die Villa Stuck. Bis zum 10.7. gilt es dort diese außergewöhnliche Persönlichkeit kennenzulernen. Mesmer war Erfinder und Künstler des 20. Jahrhunderts, der trotz seiner widrigen Lebensumstände ein großes Werk an Zeichnungen, Skizzen, Bildern und Texten geschaffen hat. Seine Idee des mit Muskelkraft betriebenen Menschenflugs verfolgt er seit 1928. Dabei entstehen auch etliche Flugfahrräder und Schwingenflügel, von denen noch einige erhalten sind. Seine Fluggeräte verlassen nie den Boden der Tatsachen. Einmal eine Handbreit, behauptet er verschmitzt. Aber Erfolg ist für ihn nicht Schlüssel zum Erlebnis. Seit 1932 widmet sich Gustav Mesmer seiner Passion, dem Menschenflug und entwirft Fluggeräte, die mit Muskelkraft betrieben, einen „kleinen Flugverkehr” von Dorf zu Dorf ermöglichen sollen. 1994, kurz vor seinem 92. Geburtstag, stirbt Gustav Mesmer.
Die kleine Werkschau in der Villa Stuck präsentiert – zum ersten Mal in München – neben Flugfahrrädern, Schwingenfluggeräten, Bildern, Skizzen und Texten auch Musikinstrumente und Sprechmaschinen Gustav Mesmers.

Immer noch aktuell und schwerstens zu empfehlen: Die Ausstellung La Bohème - Toulouse Lautrec und die Meister vom Montmartre im Künstlerhaus (24.6. – 14.8.). Die Ausstellung aus dem berühmten Musée d‘Ixelles in Brüssel präsentiert das einzigartige lithografische Lebenswerk von Henri de Toulouse-Lautrec in Gegenüberstellung mit Arbeiten seiner Vorgänger und Zeitgenossen aus den Jahren 1885 bis 1900. So wird ein Dialog eröffnet, der es dem Besucher ermöglicht, das Lebensgefühl jener Zeit – der Belle Époque – nachzuempfinden und dabei die Ursprünge unserer heutigen Massenwerbung zu erfassen.

Kleiner aber keinesfalls weniger zu empfehlen: Das Ausstellungsprojekt queer:raum. (2./3.7.) Eine Kooperation von 20 LGBTQIA+ Kreativen in München, die mit ihren Arbeiten für mehr Sichtbarkeit sorgen wollen: Ausgangspunkt des Projekts sind die Porträts der ausstellenden Künstler*innen, die der Fotograf und Initiator Francesco Giordano angefertigt hat. Dabei sind deren Kunstrichtungen so vielfältig wie sie selbst: surreale Gemälde des ukrainischen Künstlers Kyrylo Zhornovi, queerfeministische Grafiken der Illustrator*in Sophie Boner, Performances des Tänzers Alfonso Fernández Sanchez, Live Acts, DJ-Sets u.v.m. Das Projekt dient als kultureller Begegnungsort und schafft neue Synergien, die über der Dauer der Ausstellung bestehen bleiben sollen.
Bei der Ausstellung „Originale aus München und dem Rest der Welt“ der Künstlerin Corinna Reisner im Bienewitz (23. / 24.7.) gilt es einfallsreich-farbenfrohe Porträts bedeutender Persönlichkeiten zu bestaunen. Durch ausgefuchstes Spiel auf der Farbpalette kehrt Reisner das Innere der von ihr gewählten Porträtpersönlichkeiten und reflektiert so auch deren Schaffen.

Franz Furtner

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