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Kunst im Oktober: Eskapismus und vieles mehr

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Migrants, Mayra, Picnic across the Border von JR in der Kunsthalle
Migrants, Mayra, Picnic across the Border von JR in der Kunsthalle © jr-art.net

Im finsteren Oktober heißt es am Besten: Raus aus den Krisen hinein ins Museum!

Der Herbst ist da, allenthalben bröckelt die Welt. Zeit um intellektuelle, mental und auch emotional in Münchens Museen auf Reisen zu gehen: Die wegweisende Künstlerin Joan Jonas (*1936) hat durch ihr konstantes Experimentieren mit Performance, Video und Installation die Grenzen der Kunst in den letzten fünf Jahrzehnten immer wieder verschoben und neue Wahrnehmungsmodi erprobt. Sie hat zahlreiche Generationen an Künstler*innen beeinflusst und dauerhafte Beziehungen untereinander etabliert. Das Haus der Kunst zeigt bis 26.2.2023 die bisher umfangreichste Einzelausstellung in Deutschland, die Jonas’ Ansatz der transnationalen Zusammenarbeit reflektiert und ihre dynamische Praxis der Transformation zwischen Medium und Zeit entlang wiederkehrender Themen nachzeichnet.
Die Ausstellung versammelt historische Schlüsselwerke, die jeweils Wendepunkte in Jonas’ Schaffen markieren.
Ergänzt wird die Ausstellung durch zwei Performances von Jonas: Mirror Piece I & II (1969/2018), in der Jonas das wiederkehrende Motiv des Spiegels in ihr Werk einführte, um Machtstrukturen des Blickes und geschlechtliche Rollenbilder zu thematisieren. Die Performance schlägt damit den Bogen zu zahlreichen Werken der Ausstellung. In der europäischen Erstaufführung von Out Takes: What The Storm Washed In (2022) vereint Jonas Videoaufnahmen mit Live-Musik, Text und Performance.

Von exaltierten Performances zu den künstlerischen Kleinoden, die wir alle zuhause im Regal stehen haben:
In Zusammenarbeit mit internationalen Gestalter*innen, Künstler*innen Musiker*innen und Produzent*innen zeigt der Grafik-Designer Bernd Kuchenbeiser im Rahmen der Ausstellung A Big Announcement in der Villa Stuck Bücher und Schallplatten (8.10. – 15.01.2023).
Ausgehend von eigenen Projekten zu Buch und Schallplatte, entwickelt Bernd Kuchenbeiser einen „kaleidoskopischen“ Ausstellungsrundgang. „Kaleidoskop“ darf auch im Wortsinn verstanden werden: „schöne Formen sehen“. Doch extravagante Design-Äußerungen liegen dem Münchner Gestalter genauso fern wie die Tatsache, seine eigene Person zu wichtig zu nehmen: „Ich glaube nicht an den auktorialen Gestalter. Entwerfen interessiert mich nur als soziales Handeln. Es entwickelt sich erst im Dialog, durch In-Beziehung-treten.“
Die Ausstellung wird in Themen und Farben durch ein Gedicht von John Baldessari strukturiert. In Buch- und Schallplattensequenzen werden die Betrachtenden zur Erforschung von Sprache und Ausdruck eingeladen und angeregt persönliche Assoziationen und Interpretationen zu finden. Im Gespräch mit Wegbegleiter*innen und Vaterfiguren des Kurators bilden die Räume verschiedenste Beziehungen und Interessen ab – zwischen Kunst, Musik und Architektur, zwischen Klang, Gestalt und Herstellung. Nicht nur für Plattensammler und Bibliophile interessant!

2016 anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Bestehens des Kunsthauses Kaufbeuren eingeführt, findet dort vom 02.10. bis 01.01.2023 bereits die fünfte Blickfang-Ausstellung statt. Hierbei zeigt das Kunsthaus seit 2020 in zweijährigem Rhythmus Werke von jungen, aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern aus dem gesamten Bundesgebiet. Auch Kunstschaffende aus der Region waren aufgerufen, sich wieder zahlreich für die Teilnahme an der Ausstellung zu bewerben. Als Vorgabe galt es, sich bei den eingereichten Werken mit dem Begriff „Verbotenes Terrain“ auseinanderzusetzen, der durchaus ambivalent und in vielfältigen Spielarten Thema künstlerischen Arbeitens, inhaltlich wie formal, sein kann.
Wie in den vergangenen Jahren entschied eine Fachjury über die Teilnahme an der Ausstellung und wählte aus fast 400 Bewerbungen 35 Positionen aus. Damit wird das Kunsthaus Kaufbeuren auch 2022 wieder zu einer Plattform für die Präsentation herausragender Positionen der Gegenwartskunst. Besonderheit der Ausstellung: Auch bei der fünften Ausgabe von Blickfang werden wieder Unikate und Editionen junger wie etablierter Künstler*innen zu erschwinglichen Preisen angeboten – nicht nur um Kunstsammler anzuziehen, sondern auch, um bei dem einen oder anderen Besucher die Sammelleidenschaft neu zu wecken. Mit dabei sind Kunstschaffende wie Adidal Abou-Chamat, Judith Adelmann, Clara Bahlsen, Pascal Prateau, Capitana F, Isabelle Dyckerhoff, Peter Franck und viele mehr.

Von Kunst besitzen zu Kunst werden: Wahrscheinlich haben Sie im Stadtbild schon die großen Schwarz-Weiß-Foto-Porträts hängen sehen und sich staunend den Kopf gekratzt. Diese sind Teil der Ausstellung JR: Chronicles. Diese ist die bisher größte Retrospektive des französischen Künstlers JR (*1983). Die Geschichten, die er mit seinen Werken erzählt, sollen unseren Blick auf die Welt verändern. Sein Anliegen ist es, Grenzen zu überwinden und Brücken zwischen den Menschen zu bauen. Anhand von Fotografien, Videos, Modellen und großflächigen Plakatierungen (Pastings) macht die multimediale Ausstellung die Projekte von JR nun in der Kunsthalle München (bis 15.01.2023) erlebbar.

Ebenfalls Teil des Stadtbilds sind zahlreiche Denkmäler. Diese tragen Botschaften, die bis heute Bedeutung haben, oder sie transportieren bisweilen Inhalte, die längst überholt sind oder bewusst abgelehnt werden: Sie verherrlichen Krieg und Gewalt, feiern Helden vergangener Zeiten, transportieren Vorurteile und grenzen aus. Sie sind fragwürdig geworden. Mit der Reihe „past statements. Denkmäler in der Diskussion„ knüpft München nun an die internationale und lokale Diskussion um diskussionswürdige Denkmäler an und regt kritische, vielstimmige und kreative Debatten über Formen und Inhalte des Erinnerns in einer diversen und demokratischen Stadtgesellschaft an. Das Programm ist eine Kooperation zwischen Public Art München und dem Institut für Stadtgeschichte und Erinnerungskultur des Kulturreferats. Es umfasst dezentrale Veranstaltungen an einzelnen umstrittenen Orten, künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum und das Forum past statements – present futures (7.-9. Oktober 2022), eine internationale Veranstaltung in Kooperation mit dem Haus der Kunst. Genaueres zum Forum und den diversen damit verbundenen Aktionen finden Sie unter www.publicartmuenchen.de

Franz Furtner

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