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Die interessantesten Ausstellungen im Mai

"Die Berge und Wir" im Alpinen Museum

Bierkrüge und Spiegelungen, 150 Jahre DAV, Gegenwartskunst am Chiemsee und Hermann Nitsch

Eine Wolke ist eben nicht nur eine Wolke. Dieses diffuse Gebilde lässt sich ungern auf eine Existenz festlegen. So kann sie zum Beispiel am Himmel hängen, man kann auf ihr weiß Gott wohin schweben und man kann aus ihr fallen. 

Wenn man derzeit über den Lenbachplatz radelt, begegnet man einer weißen Wolke, die gemütlich auf einem handgezeichneten Bierkrug Platz genommen hat. Oder hat ihr den die Modedesignerin und Künstlerin Ayzit Bostan einfach untergeschoben? Nähert man sich dem Kunstbillboard am Lenbachplatz von der anderen Seite, blickt man auf die gleiche Wolke, nur dass sie diesmal auf einer Spiegelfläche sitzt und links von ihr ein fettes „I“ steht. Icloud also? Kann schon sein. Bis Juni noch kann man – je nachdem, ob man von Nord nach Süd oder umgekehrt fährt – Durst bekommen oder über sein digitales I nachdenken. Oder sich wünschen, man wäre selbst eine Wolke. Leicht und frei.

Wie schön, dass Du geboren bist, wir hätten Dich sonst sehr vermisst ... Nun wird ein Verein ja nicht wirklich geboren, aber er hat eine Geburtsstunde und also einen Geburtstag – und im Fall des Deutschen Alpenvereins würden ihn aktuell immerhin 1.289.641 Mitglieder vermissen. Der DAV ist die größte nationale Bergsteigervereinigung der Welt. Das heißt, in Deutschland gibt es die meisten Bergsteiger? Einigen wir uns auf: die organisiertesten. 

Eine tagesaktuelle Übersicht von Ausstellungen finden Sie hier...

Dieses Jahr feiert der Deutsche Alpenverein seinen 150. Geburtstag – mit Veranstaltungen und einer Ausstellung. Wie so viele gute Ideen wurde auch diese in einer Wirtschaft besiegelt: „Am Abend des 9. Mai 1869 traf sich in München eine kleine Gruppe deutscher und österreichischer Bergsteiger und gründete im Gasthaus ‚Zur blauen Traube‘ den Deutschen Alpenverein. Sie verstanden ihn als ‚bildungsbürgerlichen Bergsteigerverein‘ und verfolgten das Ziel, touristische Erschließung voranzutreiben und ‚die Kenntnis der Alpen zu verbreitern und Ihre Bereisung zu erleichtern‘.“ So kann man es auf der DAVWebsite lesen und offenbar war „bildungsbürgerlich“ damals noch positiv besetzt. Zumindest unter Bergsteigern. 

Heute sieht sich der DAV wohl eher als Naturschutzverband, was er ja auch seit 1984 in Bayern und seit 2005 auf Bundesebene ist. Da überrascht es nicht, dass der Verein zum Jubiläum eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Die Alpen. Der gefährdete Traum.“ auf den Weg gebracht hat. Von Mai bis Juni kann man sechs Vorträge besuchen zu Themen wie „Versportlichung des Bergsteigens“ oder „Herausforderung Klimawandel“ (alle Infos hier: alpenverein.de, der Eintritt zu den Vorträgen ist frei, teilweise mit Anmeldung). 

Aber das war noch nicht alles, denn es gibt – natürlich! – eine Jubiläumsausstellung im Alpinen Museum auf der Praterinsel. Die Berge und Wir. 150 Jahre Deutscher Alpenverein (12. Mai bis 13. September, Begleitbuch) beschäftigt sich mit der Geschichte des Vereins, mit den Menschen, die sich engagieren und mit unserer Sehnsucht nach dem Gipfel. Bergschuhe anziehen und hinwandern!

Der Frühling kommt leise. Ein paar grüne Blätter hier, ein paar Blumen dort. Dann, auf einmal, stehen die Kastanien vor den Pinakotheken in voller Blüte und man erschrickt ein bisschen. Was, ist es schon soweit? Und dann kommt es noch dicker, denn dann startet auch noch die Königsklasse IV (11. Mai bis 3. Oktober). Seit 2003 schon schickt die Pinakothek der Moderne alljährlich Gegenwartskunst in die Sommerfrische ins Schloss Herrenchiemsee

In den elf großen Räumen des unvollendeten Nordflügels werden auf zwei Stockwerken wichtige Arbeiten aus der Sammlung Moderne Kunst und dem Museum Brandhorst gezeigt. Dieses Jahr dabei: Hauptwerke von Wolfgang Laib, Arnulf Rainer, Etel Adnan, Günther Förg, Dan Flavin, On Kawara, Kazuo Shiraga, Hans-Jörg Georgi und John Chamberlain. Jeder Künstler hat seinen eigenen Raum, so dass man ganz in seine Welt eintauchen kann. Bevor man in den Chiemsee springt und gar nicht glauben mag, dass es jemals wieder Oktober wird.

Wo wir schon beim Verreisen sind: Auf nach Ingolstadt! Das Lechner Museum zeigt dort noch bis zum 23. Juni eine Ausstellung zwischen Theater und Kunst. Hermann Nitsch: Das Gesamtkunstwerk des Orgien Mysterien Theaters. Im Mittelpunkt steht die 20. Malaktion des 1938 geborenen Österreichers, die 1987 stattfand. Sie gilt als Nitsch’ Hauptwerk und besteht vor allem aus dem mit 5 x 20 Metern größten Schüttbild, einer Bodenarbeit mit 10 x 10 Metern, 50 großformatigen Schüttbildern und 3 Malhemden im Kreuzkasten. 

Dieser Werkkomplex ist laut Nitsch seine weltweit einzige vollständig erhaltene Malaktion und jetzt erstmals außerhalb seiner Heimat zu sehen. Im Zentrum des Orgien Mysterien Theaters steht das unmittelbare und sinnliche Erleben von realen Geschehnissen mit allen Sinnesorganen, Nitsch nennt diesen Zustand „fleisch der wirklichkeit“. Dieses radikale Konzept revolutionierte den Theaterbegriff des 20. Jahrhunderts und verwischte die Grenzen zwischen Theater, Kunst und Leben: „durch die entwicklung meiner malerei zur aktion bekam die farbe eine andere aufgabe, sie wurde des vielfachen klanges enthoben, sie wurde als substanz gebraucht, sie wurde zu blut und schleim. alles wurde auf die farbe der ekstase, des opfers der schlachtung, der passion, des blutes, des fleisches ausgerichtet.“ 

Zimperlich geht es nicht zu bei seinen Aktionen, sondern kraftvoll. Er schöpft aus dem Vollen und verlässt sich voll und ganz auf den Moment. Also genau das, was man selbst sehr viel öfter machen könnte. 

Autorin: Barbara Teichelmann

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