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Die interessantesten Ausstellungen zum Monatswechsel

Aufwändig, extravagant und furchteinflößend: Die Rüstungen der Samurai.

Preise, Geburtstage, Kunst im Raum und japanische Krieger

Überreicht wurden die Bayerischen Kunstförderpreise Bildende Kunst 2018 schon im November. Jetzt kann man die Arbeiten der ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstler auch sehen. 6.000 Euro gibt es vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und obendrauf eine schöne Portion Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit.

Also wahrscheinlich genau das, das man braucht, wenn man „jung“ und „begabt“ ist. So beschreibt der bayerische Staat die Ausgezeichneten. Dabei wäre es auch mal interessant – aber zugegebenermaßen im Sinne des linearen Karrieregedankens natürlich wenig sinnstiftend – alte und unbegabte Künstlerinnen und Künstler auszuzeichnen. Aber wir schweifen ab. Zurück zum Kunstförderpreis. Zwei Frauen und zwei Männer sind es geworden, und wer ein bisschen in der Münchner Kunstlandschaft herumstrolcht, hat den einen oder anderen Namen wahrscheinlich schon gehört: Claudia Barcheri (geb. 1985 in Bruneck in Italien), Sebastian Dacey (geb. 1982 in London), Sophia Süßmilch (geb. 1982 in Dachau) und Benjamin Zuber (geb. 1982 in Bamberg). Drei haben die Kunstakademie München besucht, Zuber hat in Nürnberg und Wien Kunst studiert. Sonst gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, denn Kunst wird ja streng genommen nicht gemacht, damit man darüber spricht, sondern damit man sie erlebt. Also rein in die Galerie der Künstler (23. Januar bis 24. Februar) und sich anschauen, was die Jungen so anstellen mit ihrer Begabung. Oder wie Sophia Süßmilch auf einem Frühwerk von 2010 verkündet: „Du musst in Flächen denken, denn es gibt streng genommen gar keine Konturen.“

Eine tagesaktuelle Übersicht von Ausstellungen finden Sie hier...

Ist 25 nun alt oder jung? Kommt darauf an. Ein 25-jähriger Mensch ist jung. Ist man eine Galerie, hat man mit 25 ein respekteinflößendes Alter erreicht. Nicht viele Galerien schaffen es bis in die Volljährigkeit und darüber hinaus. Denn trotz all der bunten Bilder ist der Kunstmarkt vor allem eines: knallhart. Man hat zwar die schöne Aufgabe, Künstler zu entdecken, zu fördern und bekannt zu machen, aber letztlich ist eine Galerie ein Geschäftsmodell. Und da kann die Kunst noch so interessant sein, wenn sie sich nicht verkauft, war’s das eben. Und was sich wann und wie gut verkauft, ist oft schwer absehbar. Was wird im Wert steigen und was versendet sich? Neben einem gesunden Geschäftssinn braucht man als Galerist auch sowas wie einen siebten Sinn. In den 1980er Jahren bewiesen diesen gleich mehrere Kunstbegeisterte. Die Galerie Jahn und Jahn zum Beispiel und die Galerie Pfefferle feierten bereits 2018 völlig zu Recht stolz ihren 40. bzw. 35. Geburtstag mit großen Überblicksausstellungen. 2019 geht es munter weiter mit der Heitsch Gallery und der Barbara Gross Galerie. Mit Highlights (26. Januar bis 9. März) präsentiert Jörg Heitsch die 25-jährige Galeriegeschichte mit „Highlights internationaler Künstlerpositionen von der minimalistischen und konkreten bis zur figurativen Malerei, Skulptur und Video.“ Ein chronologisches Portfolio quasi. Barbara Gross feiert 30 Jahre schön konsequent mit drei Ausstellungen, die erste läuft noch bis zum 5. Februar und sollte nicht verpasst werden, weil man dort auf eine hochkarätige, weibliche Vergangenheit zurückblickt. Gezeigt werden Arbeiten von 20 Künstlerinnen, mit dabei zum Beispiel Maria Lassnig, Valie Export, Ida Applebroog, Michaela Meliàn, Silvia Bächli und Kiki Smith. Der zweite Teil startet am 12. Februar.

Und jetzt gehnwa in den Bunker, sorry B’NK’R. Hier hat Lukas Feireiss, der dort für 2018 und 2019 unter dem Motto „Space is The Place“ das Kuratieren übernimmt, eine Einzelschau organisiert, die mit der skulpturalen Inbesitznahme der Räume spielt. Die Ausstellung Michael Sailstorfer (Vernissage am Donnerstag, 31. Januar um 18:30, 1. Februar bis 12. April) zeigt bereits existierende Werke wie Tränen (2015), Bulb (2010) und Lohma (2008) des österreichischen Bildhauers und Installationskünstlers (geb. 1979), sowie eine eigens für diesen Ort geschaffene Arbeit, die sich direkt auf den ehemaligen Luftschutzbunker bezieht. Hingehen. Aber Obacht! Offiziell geöffnet ist der Bunker nur samstags und sonntags zwischen 14 und 18 Uhr. Dafür ist der Eintritt frei. Unter info@bnkr.space kann man für Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag kostenlose Führungen vereinbaren.

Schnell – was ist ein Samurai? Ein japanischer Krieger. Ja und weiter? Hm. So richtig genau weiß man das gar nicht, gell? Das kann man jetzt gründlich ändern, denn die nächste große Ausstellung der Kunsthalle beschäftigt sich ausführlich und quasi von der Pike auf mit der „Pracht des japanischen Rittertums“. Samurai (1. Februar bis 30. Juni, Katalog) zeigt über 100 Exponate aus der Sammlung des Ehepaars Ann und Gabriel Barbier-Mueller, die in knapp 30 Jahren Rüstungen, Helme und Masken, Pferdeausrüstung und Waffen aus dem 13. bis 19. Jahrhundert zusammengetragen haben. Samurais waren aber nicht nur Krieger, die sämtliche Kampftechniken virtuos beherrschten, sie lebten auch nach strengen ethischen Wertmaßstäben. „Bushidō“ nennt man den moralischen Kodex, an dem sich die Kriegerkaste orientierte und deren Regeln dem Shintō, Buddhismus und Konfuzianismus entstammten.

Es gibt viele Mythen rund um die Samurai, Geschichten von Tapferkeit und Disziplin, von Loyalität und Selbstaufopferung, aber auch Geschichten von Verrat, Intrigen und erbarmungsloser Gewalt. Woran man einen Samurai sofort erkannte, war sein Erscheinungsbild, seine Rüstung. Sie war quasi seine Arbeitskleidung, bot ihm Schutz im Kampf und war Ausdruck seiner gesellschaftlichen Stellung. Und je mehr Bedeutung die Samurai im Laufe der japanischen Geschichte bekamen, desto aufwändiger und auffallender wurden ihre Rüstungen. Gearbeitet aus Metall, Leder, Holz, Lack und Stoff waren sie mit Schutzsymbolen verziert, die zur Abschreckung des Feindes dienten und auffällige Motive wie Dämonen, buddhistische Schutzgötter oder Glückssymbole zeigten. In Friedenszeiten wurden diese prächtig extravaganten Rüstungen als elitäres Statussymbol getragen.

Autorin: Barbara Teichelmann

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