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Die interessantesten Ausstellungen im Januar

Was man so zum Leben braucht: Nachdenken über Geld und Kunst in der Lothringer13_Halle

Raus! Freiheit als Vorsatz, Gender- und Globalisierungsfragen, Geld und die Rechte der Frauen

Es ist vollbracht. Weihnachten liegt hinter uns, Silvester auch. Jetzt kommt es nur noch darauf an, was vor uns liegt. Und das, liebe Kunstgemeinde, hängt ja bekannter Weise von uns selbst ab.

Es kommt also darauf an, was wir aus dem neuen Jahr machen. Zugegeben, ein paar Dinge, die Parlaments- und Präsidentschaftswahl in Nigeria zum Beispiel, den Brexit oder das Wetter können wir nur bedingt beeinflussen.

Eine tagesaktuelle Übersicht von Ausstellungen finden Sie hier auf events.in-muenchen.de

In unserem Mikrokosmos aber können wir dafür schalten und walten. Mehr Fahrrad und weniger SUV fahren, saisonal-regionales Gemüse statt Erdbeeren aus Thailand kaufen, nett zueinander sein, und unseren oft allzu pragmatisch reglementierten Alltagshorizont erweitern. Am besten funktioniert das mit Kunst, weil die sich oft jeglicher Nutzbarmachung verweigert. Kunst darf erstmal alles und muss nichts. So wie wir ja eigentlich auch, aber uns ist oft das Risiko zu groß, weshalb wir lieber in zentralgeheizten Schubladen sitzen und uns gegenseitig einreden, dass wir frei wären. Wie wär’s mit öfter mal rauskommen aus der eigenen Schublade und die eigene Freiheit neu definieren? Das könnte doch ein schönes Motto für 2019 sein, das Sie garantiert in viele spannende Ausstellungen bringt.

Zum Beispiel ins Kunstlabor (Do bis So, 14 bis 22 Uhr) an der Landsberger Straße 350, da wo früher der Tengelmann- Hauptsitz war. Ha, erwischt! Sie waren noch nicht da, gell? Macht nix, denn das vom Museum of Urban and Contemporary Art (muca) organisierte Zwischenspiel in dem leeren Gebäude wurde bis Ende Januar verlängert. Eine schöne Gelegenheit also, seinen Horizont mittels zeitgenössischer Urbaner Kunst zu dehnen: 50 internationale Künstler, die 5.000 Quadratmeter Außen- und Innenfläche bemalt, besprüht und beklebt haben. Da sich Streetart durch temporäre Präsenz im öffentlichen Raum definiert, ist es auch nicht weiter tragisch, sondern letztlich konsequent, dass Ende Januar Schluss ist. Also hingehen, solange sie da ist.

Es kapselt und zwar gleich doppelt. Mit dem Format der Kapsel-Ausstellungen bietet das Haus der Kunst jungen Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt die Gelegenheit, ihre Arbeiten erstmals in einem institutionellen Kontext vorzustellen. Raphaela Vogel (geb. 1988) präsentiert ihr neuestes Projekt A Woman’s Sports Car (18. Januar bis 30. Juni). Eine Doppelkanalprojektion, die aus den Frontscheinwerfern des kanariengelben Sportwagens Spitfire Triumph flimmert. Die 30- jährige Nürnbergerin zerlegt die männliche Potenz eines Sportwagens und kombiniert diese Fragmente mit den Versatzstücken weiblicher Formen und Oberflächen und sprengt so geschlechterspezifische Dimensionen.

Ebenfalls in der Südgalerie präsentiert der in Phnom Penh lebende Künstler Khvay Samnang die eigens für München erstellte Auftragsarbeit Popil (18. Januar bis 30. Juni), die aus filmischen Arbeiten und Installationen besteht. Der 37- jährige Kambodschaner beschäftigt sich mit dem multimedialen Charakter von Ritualen und Politik, untersucht die humanitären und ökologischen Auswirkungen der Globalisierung und thematisiert so das Thema „Austausch“ in mehreren Spielarten. Zwei Kapsel- Ausstellungen, ein Haus.

Wie würden Sie ihr Verhältnis zum Geld beschreiben? Ausgeben oder aufsparen? Oder ganz anders? Jörg Koopmann hat eine Ausstellung zum Thema Geld kuratiert und 14 Künstler aus sechs Ländern in die Lothringer13_Halle eingeladen, ihre finanzielle Sicht der Dinge beizusteuern. Jahresausgaben / Ne travaillez assez, ne comptez jamais (Vernissage mit Livemusik am 13. Januar um 17 Uhr, 15. Januar bis 17. März) fragt nach, welche Beziehung Kreative und Künstler zum Geld haben. Wie sie den Wert ihrer Arbeit in Zahlen umrechnen. Und durchleuchtet so ein „... Arbeitsfeld, das von Rekordsummen für Malerei, romantischen Bildern des verarmten freien Künstlers und Statistiken über prekäre wirtschaftliche Künstlerrealitäten eingerahmt und geprägt ist?“ Wie definiert sich eigentlich die Rolle des Künstlers in Bezug auf Geld? Interessante Frage. Einerseits soll er frei sein und außerhalb der Gesellschaft stehen, um ihr bestmöglich den Spiegel vorhalten zu können. Andererseits wird er als internationaler Star gefeiert und mutiert anschließend oft zum „Investment-Lieferant“ für Kunstaktionäre. Und am wertvollsten ist er – bzw. sein Werk, wenn er tot ist. Schönes Thema zum Jahresauftakt, wenn sämtliche Vorsätze, zum Beispiel auch die buchhalterischen, noch ganz frisch sind.

Am 30. November 1918 trat in Deutschland das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen, aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Deshalb haben wir den 100. Geburtstag des Frauenwahlrechts schon letztes Jahr gefeiert. Am 19. Januar 1919 konnten Frauen dann zum ersten Mal wählen und gewählt werden. 300 Frauen kandidierten für die Wahlen zur verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. 37 Frauen wurden gewählt, insgesamt wurden 423 Ab - geordnete gewählt. Und deshalb feiern wir 2019 weiter. 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland (19. Januar bis 15. März) haben die Künstlerinnen Janine Mackenroth (geb. 1989) und Bianca Kennedy (geb. 1989) ihre Gestaltung der Kunst- Insel am Lenbachplatz genannt. Zu sehen ist eine Frau, die ein Stück Kuchen isst. Ein eher mickriges Stück. Was ist passiert in den letzten 100 Jahren? Wie groß war das Stück vom Kuchen damals und wie groß ist es heute? Und was ist mit der langen Zeitspanne vor den letzten hundert Jahren, in denen Frauen den Kuchen zwar backen durften, aber so gut wie nichts davon abbekamen? Darüber kann man sich nach der Eröffnung am Samstag ab 15 Uhr bei Kaffee und Kuchen und freiem Eintritt in The Hearthouse am Lenbachplatz 2 unterhalten.

Autorin: Barbara Teichelmann

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