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Die interessantesten Ausstellungen im April

Hoher Besuch: Caravaggios berühmte „Grablegung Christi“ aus den Vatikanischen Museen kommt in die Alte Pinakothek.

Caravaggio und seine Nachfolger, Akademie-Debütanten, Fotografie und Collage

Wie erzeugt man Wirkung? Zum Beispiel, indem man Gegensätze aufeinander loslässt. Also spielte Caravaggio das Licht gegen den Schatten aus und schuf so Kontraste mit dramatischer Wirkung.

Eigentlich war der italienische Barockmaler (1571–1610) ein Geschichtenerzähler, nicht mit Worten, sondern mit Farbe, Licht und Schatten. Seine Bilder waren unkonventionell, frech, manchmal vulgär und niemals langweilig. Caravaggio hielt nicht viel von Contenance, Distanz oder langsamer Hinführung, er springt mitten ins Geschehen, und seine Vorstellungskraft beleuchtet die Szenerie wie auf einer Bühne.

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Kulissen? Braucht er nur insoweit, als sie den Handelnden Halt geben. Ein Tisch, ein Fenster, die Wand im Anschnitt, mehr gibt es nicht zu sehen, auch weil er immer nah dran ist. So nah, wie man es als heimlicher Beobachter wohl gerne wäre, um jede Gefühlsregung, jedes Zucken, jedes Zögern sehen zu können. Caravaggio schubst den Betrachter förmlich ins Geschehen hinein. Kein Wunder, dass sein Werk bereits zu Lebzeiten großen Eindruck machte und er über die Landesgrenzen hinaus berühmt wurde.

Künstler aus Frankreich, Spanien und den Niederlanden reisten nach Italien, um sich seine Arbeiten anzusehen und davon inspirieren zu lassen. Die Folge war, was man heute den europäischen Caravaggismus nennt: Junge Maler, die den neuen Stil aufgriffen, mit ihm spielten und ihn weiterentwickelten. Die Ausstellung Utrecht, Caravaggio und Europa (17. April bis 21. Juli, Katalog erscheint bei Hirmer) in der Alten Pinakothek zeigt über 70 der schönsten und wichtigsten Werke der bedeutendsten „Caravaggisten“, darunter Gemälde von Orazio Gentileschi, Bartolomeo Manfredi, Jusepe de Ribera, Valentin de Boulogne. Inwiefern die Utrechter Künstler den Realismus Caravaggios aufgriffen, weiterentwickelten und so zum Beispiel die Darstellung von hässlichen, abstoßenden Details einführten, darum geht es dieser Ausstellung.

Das absolute Highlight aber sind die Gemälde des Meisters selbst, zum Beispiel der „Hl. Hieronymus“ (1608) aus dem Kloster Montserrat bei Barcelona oder die „Grablegung Christi“ (1602-1604) aus den Vatikanischen Museen in Rom. Das sollte man auf keinen Fall verpassen. Und das meine ich ernst. Die Bildkomposition, der Einsatz der Farben, die Lichtregie, die Dramaturgie der Hände, wie Caravaggio verschiedene Spielarten des Leids in den Gesichtern der Anwesenden in Szene setzt, und schließlich Nikodemus, der gemeinsam mit Johannes den fahlen Leichnam trägt – wie er aus dem Bild heraus und vielleicht uns anblickt – das muss man sehen. 3 mal 2 Meter dramatische Wirkung.

Das geht ja schon mal gut los! Zehn Künstler*innen am Anfang ihrer Karriere stellen sich vor. Debütanten 2019 (Vernissage und Preisverleihung am 23. April ab 18 Uhr, 24. April bis 2. Mai, Finissage am 2. Mai ab 18 Uhr) lautet schlicht der Titel der Ausstellung im Westflügel im Haus der Kunst. Und weil man nicht früh genug anfangen kann, sich die Namen derer einzuprägen, von denen man wahrscheinlich noch hören wird, fangen wir gleich mal damit an: Mehmet & Kazim, Dominik Bais, Naama Bergmann, Charlotte Giacobbi, Bianca Patricia Isensee, Ryohei Kann, Kalas Liebfried, Selina Pürgstein, Marco Stanke und Jangwoo You. Was alle zehn gemeinsam haben? Jeder hat einen Preis bzw. eine Auszeichnung bekommen und alle haben an der Kunstakademie studiert und sind nun fertig. Was soll man sagen? Hingehen und schauen, was die Kunst so macht.

Ich weiß ja nicht, wie oft Sie nach Schwabing kommen, aber momentan gibt es mindestens zwei gute Gründe, Richtung Ludwigskirche zu radeln. Der eine heißt Thomas Ruff, der andere Louise Nevelson. Noch bis zum 1. Juni zeigt die Galerie Rüdiger Schöttle aktuelle und ältere Arbeiten des deutschen Fotografen. Ruff studierte bei Bernd und Hilla Becher an der Kunstakademie Düsseldorf, von 2000 bis 2006 unterrichtete er dort selbst Fotografie. Er nähert sich der Realität konzeptuell, ihm geht es nicht darum, etwas abzubilden, sondern um die Idee. Bei seinen Negativ-Serien greift er auf Fotografie des 19. Jahrhunderts zurück. Er scannt die Originale, invertiert sie, transformiert die typischen Sepiatöne in cyanblaue Farben und erweitert so das Druckverfahren der Fotografie um die digitale Cyanotypie. In seiner jüngsten Serie beschäftigt sich Ruff mit Aufnahmen des britischen Fotografen und Soldaten Linnaeus Tripe (1822–1902), die er im Archiv des Londoner Victoria and Albert Museums fand. Er arbeitete die Negative dieser vergessenen Aufnahmen, die um 1850 entstanden sind und vor allem architektonische und topographische Monumente in Indien und Burma zeigen, digital auf. Das Ergebnis sind großformatige Neudrucke, die die alten Tempel und Paläste in ein zeitloses Umfeld versetzen.

Was für ein Leben. Geboren wurde Louise Nevelson gerade noch im alten Jahrtausend, 1899, mitten im Russischen Kaiserreich. Gestorben ist sie 1988 in New York. Als sie vier Jahre alt war, wanderten ihre Eltern nach Amerika aus, wo Louise Malerei und Bildhauerei studierte. Mit 21 Jahren heiratete sie, zog nach New York, bekam ein Kind, begann 1929 an der Art Students League of New York ein zweites Mal Malerei und Bildhauerei zu studieren, trennte sich von Ihrem Ehemann, zog 1931 nach München, um bei dem Maler Hans Hofmann zu studieren. 1941 hatte sie ihre erste von insgesamt 260 Einzelausstellungen, 1943 war sie in Peggy Guggenheims Ausstellung „Exhibition by 32 Women“ neben Frida Kahlo und Dorothea Tanning zu sehen, 1962 war sie auf der Biennale in Venedig und 1964 und 1968 auf der documenta. Die Ausstellung Die Poesie der Collage (noch bis 22. Juni) in der Galerie Thomas zeigt Arbeiten der Künstlerin, die sie – quasi standortbezogen – aus Überresten und Müll schuf. Als Rahmen verwendete sie nach vorne offene Holzkästen, die sie mit Fundstücken wie Stuhllehnen, Bettpfosten oder Türklinken füllte und zu architektonischen Environments zusammensetzte. Barbara Teichelmann

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