Ausstellungen

Die interessantesten Ausstellungen zum Monatswechsel

Anders Gesehen ab 27. September in der Pinakothek der Moderne

Das Tarot als Kurator, afrikanische Keramik in neuem Kontext, Rembrandt und eine Grenzziehung, die keine ist

Arcana

Der Narr. Der Magier. Die Päpstin. Die Kaiserin. Der Kaiser. Der Papst. Der Verliebte. Der Wagen. Die Gerechtigkeit. Der Eremit. Das Schicksalsrad. Die Kraft. Der Gehängte. Das namenlose Arkanum, auch der Tod genannt. Die Mäßigkeit. Der Teufel. Der Turm. Der Stern. Der Mond. Die Sonne. Das Gericht. Die Welt. 

Das ist sie, die große Arkana: 22 Bildkarten, die, jede für sich kleine Rätsel sind. Dazu kommt die kleine Arkana mit 56 weiteren Karten in den vier Farben Stäbe, Münzen, Kelche und Schwerter. Und fertig ist das Tarot, das seit hunderten von Jahren zur psychologischen Seelenerkundung befragt und zum Wahrsagen genutzt wird. 

Für die einen ein Spiel, für andere ist es Esoterik oder einfach egal. Und dann gibt es die, die sich von den symbolischen Archetypen inspirieren lassen, Künstler zum Beispiel. Die Ausstellung Arcana (Vernissage am 27. September um 19 Uhr, 27. September bis 6. Oktober, Do bis So 12:00–19:00) in der Orangerie im Englischen Garten funktioniert nach diesem Prinzip. 18 Künstler*innen reagieren mit ihren Arbeiten auf jeweils eine Karte, die sie aus der großen Arkana gezogen haben. Insofern kann man tatsächlich behaupten: Das Tarot hat kuratiert. Über 50 dieser Reaktionen – darunter Bilder, Skulpturen und Kurzgeschichten – gibt es zu sehen, von Hazel Ang, Steve Toase, Alexandra Lukaschewitz, Mario Klingemann, Miriam Frank oder Corinna Naumann. Das lateinische „Arcanum“ leitet sich übrigens von dem Wort „arca“ für Kiste ab und bedeutet übersetzt „Geheimnis“. Es geht also um das, was in der Kiste ist. Um das, was man nicht sieht.

Anders gesehen

Es ist – wie so oft – eine Frage des Kontexts. Steht die Vase im Flur auf dem Tisch, ist sie in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand, ein Blumenhalter, ein Dekoobjekt. Eine Vase im Museum erzählt von Form, Material, Farbe, Technik, Ästhetik und Abstraktion. Und zwar auf eine konkrete und zugleich abstrakte Art und Weise. Das ist auch das Thema der Ausstellung der Neuen Sammlung Anders gesehen (Vernissage am 26. September, 27. September bis 29. März, Katalog) in der Pinakothek der Moderne. Gezeigt werden über 250 Objekte aus der Sammlung afrikanischer Keramik des 19. bis 21. Jahrhunderts von S. K. H. Herzog Franz von Bayern – die seit Juli 2017 als Schenkung und Dauerleihgabe der Neuen Sammlung angehört. 

Ein Glücksfall, denn die umfangreiche Sammlung, die der Herzog seit den 1970er Jahren zusammengetragen hat, ist nicht nur sehr vielseitig, sondern auch international einzigartig. Mit dieser ersten Präsentation im musealen Kontext kommen die Objekte wieder in einen neuen Kontext: von der Gebrauchswelt in eine private Sammlung in ein Museum. Darauf bezieht sich auch der Titel, denn in einem Museum für Design und angewandte Kunst wird afrikanische Keramik vor allem unter gestalterischen und künstlerischen Aspekten betrachtet. Und so wird auch nicht nach Regionen präsentiert, wie in ethnographischen Museen üblich, sondern nach gestaltungshistorischen Kriterien wie Form, Funktion, Dekor und Materialität. Die Ausstellungsarchitektur hat der international renommierte Londoner Architekt und Designer Asif Khan besorgt, der gerade an der Gestaltung des neuen Museum of London arbeitet und also ausreichend Expertise für museale Kontexte mitbringt.

Het Beste Van Rembrandt – nur das beste des Meisters

Wir bleiben noch kurz in der Pinakothek der Moderne, wo sich auch die Staatliche Graphische Sammlung zu Wort bzw. zu Papier meldet. Het Beste Van Rembrandt – nur das beste des Meisters. (27. September bis 13. Oktober). Am 4. Oktober vor 350 Jahren starb der niederländische Künstler in Amsterdam, und so ist diese Schau im Rahmen der Ausstellungsserie „Im Blick“ eine Art Ehrerbietung. Präsentiert werden 30 Zeichnungen und Radierungen aus eigenem Bestand, die Rembrandts thematische Vielseitigkeit, seine technische Brillanz und seine Freude am Experiment zeigen. 

Dazu kommen 16 sog. Münchner Zeichnungen, die Rembrandt der Komposition für Gemälde oder Druckgraphiken dienten, der Entwicklung von Motiven und als Mustervorrat. Als Ergänzung wird die Klanginstallation „Geduld“ aus dem Jahr 2019 des Hamburger Künstlers Peter Piller (geb. 1968) aufgeführt. Er hat das Wort Geduld aus verschiedenen Kantaten Johann Sebastian Bachs herausgelöst und zur minimalistischen Wortcollage zusammengefügt. Wenn man so will ein Resonanzraum parallel zur conditio humana in Rembrandts graphischem Werk.

linear

Zwei Männer, eine Mission. Vom 13. September bis 5. Oktober 2017 zeichneten die Münchner Künstler Thomas Huber und Wolfgang Aichner – die sich zusammen „global aesthetic genetics“ (GÆG) nennen – eine Linie in den USamerikanischen Boden und legten dabei mehr als 600 km zurück. Zu Fuß und per Fahrrad durch Prärien, Wüsten und Gebirge. Immer professionell im Anzug und immer dabei der monumentale Kugelschreiber, mit dem sie die Linie gezogen haben. Ergebnis dieser dreiwöchigen Reise sind ein Film, eine Installation, der Original-Kugelschreiber und Fotoarbeiten. 

Sehen kann man all das unter dem Titel linear (Vernissage mit Filmpremiere am 4. Oktober um 19 Uhr, 5. und 6 Oktober) in der Rathausgalerie Kunsthalle. Eine absurde Aktion, die die Absurdität von Grenzen untersucht, um sie ad absurdum zu führen. Das Ergebnis ist ein „Non-Territory“, erschaffen von zwei realen Avataren, den „Penmen“. Ein performativer und letztlich romantischer Akt in der Natur – typisch für GÆG, die schon 2011 auf sich aufmerksam machten, als sie ein selbstgebautes rotes Boot über die Alpen zogen, um pünktlich zur Biennale in Venedig ihr Scheitern zu präsentieren.

Autorin: Barbara Teichelmann

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