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Die interessantesten Ausstellungen im Januar

Das Moment der Abstraktion im Franz Marc Museum

Just do it – oder: Herzlich willkommen im Jahr der unendlichen Möglichkeiten

Es ist vollbracht. Christkindlglühweinsuriheiligabendbaumfamilienknallerkaterrausch – all das liegt hinter uns. Vorbei. Geschafft. Und vor uns glitzert ein blitzeblankes neues Jahr, in das wir unseren gefrorenen Atem pusten können und mit dem wir anstellen können, was wir wollen. Zumindest so ziemlich. 

Ich will nicht von Vorsätzen reden, denn dass das nicht funktioniert, haben wir alle schon mitbekommen. Vielmehr sollten wir machen, was uns wichtig erscheint und worauf wir Lust haben. Es gibt ja diese Methode, von Fünf runter zu zählen und dann das zu machen, was man machen möchte (oder muss). Angeblich überrumpelt man so den systemimmanenten Faul- und Verschiebemechanismus. Der braucht nämlich länger als fünf Sekunden, um sich von seinem Sofa irgendwo im hinteren Bereich des Großhirns aufzurappeln. Und das, liebe Kunstgemeinde, kann man ja einfach mal frisch- und frohgemut ausprobieren. Und weil das neue Kunstjahr noch bis Ende Januar Winterschlaf hält, schauen wir uns an, was jetzt gerade läuft und was man nicht verpassen sollte.

Fünf, vier, drei, zwei, eins … und schon sind wir aufm Land. Dort, wo das Franz Marc Museum steht, hinter raubereiften Birken und quasi neben dem Kochelsee, an dessen Ufer die über Nacht gefrorenen Eisstückchen ans Ufer klimpern und die kalte Januarsonne in Trillionen von Lichtblitzen zerlegen. Schön, gell? Und drinnen kann man sich aufwärmen, auch an der Kunst. Noch bis zum 3. Mai begegnen sich hier die Künstler des Blauen Reiters. August Macke besucht Franz Marc im Atelier, Kandinsky, Münter, Werefkin und Jawlensky lernen Paul Klee kennen, Paul Klee trifft Franz Marc, und Franz Marc findet Zugang zu Kandinsky und seinen Freunden. Und all das passiert 1910 und 1911. Was sie miteinander verbindet, ist die Suche nach einem neuen Weg für die Kunst. Die Ausstellung Das Moment der Abstraktion (Katalog erscheint bei Hirmer) beobachtet dieses Streben nach der Befreiung von der oberflächlichen Erscheinung der Dinge in den Werken. Welche neuen Strukturen, Farben und Formen entwickeln die Künstler? Wie wird die Veränderung der Arbeitsweise sichtbar? Und wo lässt sich die Abstraktion ganz konkret fassen? Auf der Basis der Sammlung des Franz Marc Museums, ergänzt durch Leihgaben, zeigt die Ausstellung Gemälde und Zeichnungen, die diese spannende Entwicklung nachvollziehbar machen.

Fünf, vier, drei, zwei, eins … ein paar Kilometer nordwärts liegt das Museum Buchheim in Bernried am Starnberger See. Während sich die biegsam schlanken Schilfstengel dem kalten Ostwind beugen, der über das Wasser anrauscht, und die Sonne so tut, als wäre es gar nicht kalt, wird drinnen der Aufbruch in die Moderne gefeiert. Paula Modersohn-Becker (bis 8. März) war quasi eine Schülerin von Cézanne, die den Expressionismus nach Deutschland brachte, und zwar lange bevor die Brücke-Künstler ihre Form gefunden hatten. 60 Arbeiten zeigt die Ausstellung, und oft werden die Modersohn-Becker-Bilder mit Arbeiten aus der Brücke-Gruppe konfrontiert, die zeigen, was für eine Avantgardistin sie war. Sie reiste viel, zum Beispiel nach Paris, besuchte Museen, Galerien und Ateliers, suchte den Austausch mit anderen Künstlern und lernte so auch Emil Nolde kennen. 1900 war das. Drei Jahre später besuchte sie Auguste Rodin in Meudon und studierte seine Art zu arbeiten: skizzierend am lebenden Modell. Dann hatte sie noch vier Jahre zu leben, 1907 starb sie kurz nach der Geburt ihrer Tochter mit nur 31 Jahren.

Fünf, vier, drei, zwei, eins ... wir sind wieder in München und zwar im NS-Dokumentationszentrum. Es geht um Gegenwartskunst und aktuelle Denkansätze der Erinnerungsarbeit, die miteinander in Dialog treten. Tell me about yesterday tomorrow (Katalog) ist der Titel der Sonderausstellung, die noch bis August die historische Dauerausstellung erweitert – und zwar poetisch ästhetisch. Der Großteil der Arbeiten von über 40 internationalen Künstler*innen, die der Kurator Nicolaus Schafhausen ausgewählt hat, ist eigens für diese Ausstellung entstanden und wird ergänzt durch Werke aus der NS-Zeit und den letzten Jahrzehnten. Schafhausen, der im Mai 2018 seine sechseinhalb Jahre dauernde Chefzeit an der Kunsthalle Wien mit der Begründung aufkündigte, er könne sich nicht vorstellen, jemals mit einer rechtsnationalen Regierung zu verhandeln, nähert sich in dieser Ausstellung gleich mehreren kritischen Themenfeldern wie dem neuen Nationalismus und Antisemitismus oder der Ausbeutung von Mensch und Natur. Und stellt damit die Frage, welche Rolle unsere Erinnerungskultur für die Zukunft der Demokratie spielt. Eine Frage, die man sich immer wieder stellen kann, soll, muss, darf.

Fünf, vier, drei, zwei, eins ... wir sind auf dem Mond. Naja, sagen wir: in der Eres-Stiftung. In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli hat die Menschheit den Mond betreten, und die Ausstellung Zero Gravity. Apollo 11 and the new notion of space (verlängert bis 1. Februar) spürt diesem Jahrhundertereignis aus heutiger Sicht nach und fragt: Was ist geblieben vom Zukunftsoptimismus, den die ersten Weltraummissionen Anfang der 1960er Jahre auslösten? Auf einmal war da eine unbekannte Dimension, die die bis dahin gültigen Grenzen ins Unendliche verschob. Wie sich diese Raumerweiterung in Kunst und Wissenschaft widerspiegelten, ist das Thema der Arbeiten, die von In - stallationen bis zu technischen Expo - naten aus der Raumfahrt reichen. 27 Künstlerinnen und Künstler sind es, mit dabei: Andy Warhol, Thomas Bayrle, Dan Flavin, Annie Leibovitz oder Sonia Leimer.

Autorin: Barbara Teichelmann

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