Ausstellungen

Die interessantesten Ausstellungen im Februar

Konsumierst Du noch oder sendest Du schon? Das Lenbachhaus zeigt ästhetischpolitische Kommunikationskonzepte

Fotos mit Vorbildfunktion, Diplomausstellung, Max Klingers Erzählwelten und Brechts Radiotheorie

Vorbilder/ Nachbilder. Die fotografische Lehrsammlung der Universität der Künste Berlin 1850– 1930

Während wir darauf warten, dass doch noch der eine oder andere See oder wenigstens eine Pfütze zufriert, die man knacken und knirschen lassen kann, spazieren wir zwergenklein durch gigantische Mammutbäume hindurch. Mit den Augen versteht sich, denn was wir da vor uns sehen, ist ein Foto. 

Eine Aufnahme des US-amerikanischen Fotografen Carleton Watkins, die um 1872 herum in Kalifornien entstand. Also noch bevor 1890 der Sequoia-Nationalpark gegründet wurde. Mit den Füßen stehen wir fest im Münchner Stadtmuseum, mitten in der Ausstellung Vorbilder/ Nachbilder. Die fotografische Lehrsammlung der Universität der Künste Berlin 1850– 1930 (7. Februar bis 14. Juni, Katalog). Gezeigt werden über 200 Originalfotografien aus dem Archiv, die jungen Künstlern – zum Beispiel an der Kunstgewerbeschule Berlin – als Muster und Lehrmittel dienten. 

Der Bestand ist groß und umfasst insgesamt 25.000 Fotografien von namhaften Fotografen. Ottomar Anschütz ist dabei, Karl Blossfeldt, Guglielmo Marconi, Albrecht Meydenbauer, James Robertson, Henry Peach Robinson oder etwa Giorgio Sommer. Die Aufnahmen wurden als Vorlagen verwendet und waren ein eigener didaktischer Bildtypus, der wiederum selbst Bezug nahm auf kunsthistorische Bildformeln in Malerei, Grafik oder Skulptur.

Die Welt der Muster und Modelle, die für die künstlerische Ausbildung vom 16. Jahrhundert an typisch ist, war vielfältig. Es wurden Gipse, Kupferstiche, Fotografien, Zeichnungen und Modelle verwendet, im Fall der Berliner Kunstakademie und Kunstgewerbeschule sogar ein Beet mit Pflanzen und zeitweise eine eigene Kleintierhaltung. Auch Fotografien hat man früh erworben, gesammelt und für den Unterricht genutzt.

Max Klinger. Zelt und andere Zyklen

Jetzt wird es schwarzweiß, bzw. grauweiß, denn wir entern das druckgraphische Werk des „deutschen Michelangelo“. Wer das sein soll? Ja, das fragt man sich, aber seine Zeitgenossen haben ihn so genannt und außerdem noch mit Albrecht Dürer verglichen: Max Klinger. Und weil sich in diesem Jahr sein Todestag zum 100. Mal jährt, hat die Staatliche Graphische Sammlung in der Pinakothek der Moderne eine kleine Hommage aus dem eigenen Bestand arrangiert, die den Facettenreichtum in Klingers Zyklen sichtbar macht: Max Klinger. Zelt und andere Zyklen (13. Februar bis 10. Mai). 

Thematisiert werden seine kunstvollen Erzählstrukturen und die Verwendung der verschiedenen Techniken. Auch die Entstehung einzelner Kompositionen für seine Zyklen wird nachvollziehbar. So kann man quasi dem Künstler über die Schulter schauen und sehen, wie er eine Figur überarbeitete, graphische Effekte verstärkte oder ein Format änderte. Schon zu Lebzeiten waren verworfene Kompositionen seiner Druckgraphiken gefragt und kursierten auf dem Kunstmarkt.

Lebensmenschen / Radio-Aktivität. Kollektive mit Sendungsbewusstsein

Und weil wir eh schon ums Eck sind, gehen wir gleich weiter ins Lenbachhaus. Klar, wer noch nicht bei Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky in der Ausstellung Lebensmenschen war, der kann das noch bis zum 16. Februar nachholen. Die 100.000-Besucher-Marke wurde schon im Januar geknackt, mal sehen, wie viele es noch werden.

Aber das nur am Rande, denn eigentlich sind wir wegen der neuen Ausstellung da: Radio-Aktivität. Kollektive mit Sendungsbewusstsein (18. Februar bis 23. August). Ausgehend von Bertolt Brechts Radiotheorie werden hier ästhetisch-politische Kollektive der 1920– 30er und 1960–70er Jahre betrachtet, die sich ihre eigenen Organe und Kommunikationswege schufen. 

In dieser Zeit gab es verschiedene Bestrebungen, Sprache neu zu denken und Formen antinationaler und internationaler Verständigung zu schaffen. So entwickelte der Typograph Paul Renner 1927 in München die Futura, die als erste übernationale Schrifttype in eine gemeinsame Zukunft führen sollte und sich weltweit verbreitete. Und Esperanto, die im späten 19. Jahrhundert von Ludwik Lejzer Zamenhof konzipierte, internationale Sprache, wurde in den 1920er Jahren zu einem Instrument linker politischer Vernetzung und von den Nationalsozialisten dementsprechend verboten. Und was dachte nun Brecht übers Radio? „Es ist eine sehr schlechte Sache“, sagte er 1932. 

„Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen.“ Erinnert irgendwie an heute. Brecht schlug vor, das Medium umzufunktionieren, von einem Distributions- in einen Kommunikations- apparat. Dieser sollte nicht nur aussenden, sondern auch empfangen, die Zuhörer*innen zu Sprecher*innen und Produzent*innen machen. Seine Überlegungen zu einem „Aufstand der Hörer“ formulierte Brecht genau zu der Zeit, als das Radio in Deutschland verstaatlicht und für nationalsozialistische Propaganda instrumentalisiert wurde. In den späten 1960er Jahren wurde Brechts Radiotheorie im Zusammenhang einer Neubewertung marxistischer Theorie neu diskutiert.

Wer hat Deutungshoheit? Wer spricht, und zu wem wird gesprochen? Es ging damals um die Utopie schrankenloser und herrschaftsfreier Kommunikation. Genau wie heute.

Autorin: Barbara Teichelmann

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