Museen

Die wichtigsten Ausstellungen im August

Sammy Davis Jr. in München: „NACHTS. CLUBKULTUR IN MÜNCHEN“
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Sammy Davis Jr. in München: „NACHTS. CLUBKULTUR IN MÜNCHEN“

Der Zauber der Nacht, das Funkeln der Welt, umflossen von Klang – Die Münchner Museen ermöglichen den Neustart für aller Sinne.

Dieses Jahr ist der Sommer anders. Entscheidend. Ein großer Reset-Knopf, der das Potenzial hat, die Welt danach wirklich fast wieder ganz normal aussehen zu lassen. Die Museen erinnern uns daran wie schön es war und helfen uns dabei die im letzten Jahr neu erlernte „Normalität“ endlich abzustreifen.

So zum Beispiel die Ausstellung Nachts. Clubkultur in München im Stadtmuseum (bis 22.5.2022). Diese nimmt ihre Besucher*innen mit auf einen Streifzug durch die Münchner Nacht. Besonders in München, der Stadt der Hochkultur und schönen Künste, wird die tragende Rolle dieser Subkultur oft unterschätzt und findet zu wenig Beachtung. Das Münchner Stadtmuseum wirft mit dieser kulturhistorischen Ausstellung ein Schlaglicht auf die Münchner Nacht und beleuchtet die Clubkultur als bedeutenden Bestandteil und sozialen Katalysator dieser Stadt. Faszinierende Objekte, atmosphärische Installationen und Fotografien aus acht Jahrzehnten dokumentieren das Nachtleben von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart und machen die Münchner Clubkultur erlebbar. Die Ausstellung widmet sich dem Thema in seiner ganzen Bandbreite: von legendären Orten - Atomic Café, Ultraschall II, Registratur etc. – über legendäre Nächte bis hin zu legendären Musiker*innen; von fabelhaften Inszenierungen bis zum fahlen Licht des Morgengrauens; von den Menschen, die feiern bis zu einer ganzen Industrie, die davon lebt.

„Nachts” verhandelt Themen wie Gender, Sexualität, Gemeinschaft und deren Codes, Rausch und Euphorie sowie den Ge- und Missbrauch legaler und illegaler Drogen. Die Ausstellung fragt aber auch nach der Bedeutung des Nachtlebens und der Clubkultur in Bezug auf die Urbanisierung Münchens und lenkt den Fokus auf die prekäre Situation der Clubs, die sich durch die Corona-Pandemie zusätzlich verschärft hat. Neben stadtplanerischen und ökonomischen Fragen nimmt sie insbesondere auch Menschen und Orte in den Blick, die das Geschehen in der Nacht und das Münchner Nachtleben prägten und prägen. Vielleicht entdeckt man sich sogar selbst auf einem Foto ekstatisch tanzend. Da bleibt nur hingehen.

Auch die im gesamten Westflügel des Hauses der Kunst stattfindende Biennale mit dem Titel THE WORLD: REGLITTERIZED (bis 10.9.2021.) – eine Fortsetzung des erfolgreichen Formats THE BIG SLEEP von 2019 – ist eine Reaktion auf die massiven Veränderungen seit dem Frühjahr 2020. Sie versteht sich als eine Art Essay über eine Regeneration der Welt in Form künstlerischer Positionen. Sie fragt sich was es bedeutet, wenn nicht einzelne Menschen, sondern ganze Gesellschaften über lange Zeit in der materiellen Realität individueller Schutzräume verbleiben. Welche Volten schlägt dann das Immaterielle, der Traum, die Psyche, die Vorstellungskraft? Die Ausstellung setzt auf alles, was über die eigene, kleine angstvolle Existenz hinausweist und beobachtet gleichzeitig, was dieses kleine Ich jeweils anstellt, um seiner vermeintlich trostlosen Situation zu entkommen. Um Missverständnisse zu vermeiden: Die Grundhaltung ist optimistisch und drückt sich im Titel unmittelbar aus: „to glitter“ – funkeln, glänzen; das wunderbare Kunstwort „reglitterized“ beschreibt eine allgemeine Rekonstruktion und erklärt damit auch sich selbst. Mit Werken von Nevin Aladag, Laurie Anderson, Heike Baranowsky, Benjamin Bergmann, Joseph Beuys, Friedrich von Borries, Ayzit Bostan, David Claerbout, Deichkind, Esther Glück, Rodney Graham, Thomas Helbig, Daniel Knorr, Aylin Langreuter, M + M, Warren Neidich, Maria und Neda Ploskow, Peter Reill, Rasso Rottenfusser, Thomas Ruff, Tamiko Thiel, Kim Tschang-Yeul, Paul Valentin, Gabriela Volanti, Jeff Wall, Andrea Zittel, Stefanie Zoche.

Gleicher Ort, anderes Programm: In diesem und den kommenden Jahren wird Sound zu einem Schwerpunkt im Programm des Haus der Kunst. Geplant sind eine Serie von musikalischen Performances und eine neue akustische Auftragsarbeit, die ein Jahr lang den Terrassensaal durchdringen wird. „Tune“ (bis 10.3.2022) ist zwischen den Bereichen Sound, Musik und visueller Kunst angesiedelt. Diesem Angebot einer kollektiven Erfahrung und einzigartiger Hörerlebnisse wird man überall im Museum als Installation und Performance begegnen können.

Die eingeladenen Künstler*innen teilen das gemeinsame Interesse daran, wie Sound die materielle Welt durchfließt und verwandelt. Klang ist diejenige Ausdrucksform, die am leichtesten aus ihrem Zusammenhang zu befreien ist: Er kann sich frei durch und zwischen Kulturen bewegen. Klang wird dabei ständig neu kodiert. Achtet man nicht nur darauf, wie Klang gelesen wird, sondern lässt sich von ihm berühren, offenbart er seine ganze Fülle.

Die Künstler*innen in „Tune“ nutzen die Kräfte des Klangs, um während ihrer Residencies im Haus der Kunst für zwei oder drei Tage das Publikum in ihre Welten einzuladen. Die einzelnen Arbeiten werden als jeweils zwei Live-Performances, ergänzt durch ein Künstler*innengespräch, präsentiert. In manchen Fällen kommen Installationen und Ausstellungen mit kurzer Laufzeit hinzu. Feat.: Lamin Fofana, Nkisi, Kelman Duran, Chuquimamani-Condori & Joshua Chuquimia Crampton, William Basinski, Abdullah Miniawy, Beatrice Dillon, JJJJJerome Ellis.

Auch das Lachen rückt ja oft die Dinge in Perspektive. Helfen kann uns dabei das zweite dynamische Duo der Comicwelt: Hauck & Bauer mit ihrer Ausstellung Cartoons im Literaturhaus. (bis 19.9.2021) Der eine schreibt (Bauer), der andere zeichnet (Hauck). Ob in ihrer FAS-Kolumne »Am Rande der Gesellschaft«, ihren Cartoon-Clips für die WDR-Sendung »Anke hat Zeit« oder ihrer TITANIC-Rubrik »Hier lacht der Betrachter«: Elias Hauck und Dominik Bauer sind komisch und bierernst, anarchistisch und seriös, liebevoll und gerne taktlos. Ihre Figuren meint man zu kennen: Ist das nicht der Nachbar? Die eigene Ehefrau? Oder gar man selbst? Jeder Cartoon ist ein »Highlight der Beobachtung und Pointierung« (Anke Engelke), eine Feier des Ur-Menschlichen.

Das Literaturhaus zeigt die große Hauck & Bauer-Werkschau des Caricatura Museums Frankfurt erstmals in München, ergänzt durch »Goethes schlechteste Gedichte« und andere literarische Interpretationen. Und da es immer noch einen Cartoon gibt, der fehlt, steht für das Publikum ein Tisch bereit mit Material zum Selbstzeichnen und Texten.

Auch für die Kinder ist was geboten. In der Figurentheaterwerkstatt „Aus dem Rahmen gefallen… und auf der Bühne gelandet!“ im Lenbachhaus (31. Juli – 15. August, außer montags jeweils 12 – 17.30 Uhr.): Wer bekommt den Preis im Tanzkurs bei den Schafen? Warum geistert es im Hausgestühl? Und was hat es eigentlich mit dem geheimnisvollen Schmierlapp auf sich? Welche geheimen Geschichten verbergen sich hinter den Kunstwerken der aktuellen Ausstellungen „Gruppendynamik – Der Blaue Reiter”, der Sammlung des Lenbachhauses und „Michaela Eichwald”? Wie sind die Werke entstanden und wie ins Museum gelangt? Diese Geschichten werden in der Figurentheaterwerkstatt erforscht – einem Sommer-Projekt im Garten des Museums.

An jedem Projekttag widmen sich die Workshops einem anderen Werk. Eigene Fragen werden gestellt und neue Geschichten erzählt: Mit S selbst gebauten Stabfiguren und gemalten Dekorationen. Im Anschluss werden die Geschichten des ausgewählten Kunstwerks auf einer kleinen Bühnen aufgeführt. Die Vorstellungen finden jeweils um 17 Uhr im Garten des Lenbachhauses statt.

Doch interaktive Workshops gibt’s auch für die Großen. So zum Beispiel in der Villa Stuck im Rahmen der Ausstellung Bis ans Ende der Welt und über den Rand – mit Adolf Wölfli. Diese konnte dank der Unterstützung der Leihgeber*innen und Künstler*innen bis zum 15. August 2021 verlängert werden. Die Ausstellung präsentiert 70 hochkarätige, teils noch nie gesehene Werke des Schweizer Künstlers Adolf Wölfli (1864-1930) im Dialog mit Arbeiten von Künstler*innen wie Joseph Beuys, Nezaket Ekici, VALIE EXPORT und Karl Valentin. Die gemeinsame Präsentation des sog. „Outsider-Künstlers“ mit anderen Weltenschöpfer*innen ermöglicht neue Sichtweisen auf die Kunst und die Welt. Vom 13. – 15. August werden, wie eingangs versprochen, diverse Podiumsdiskussionen, Konzerte und Ausstellungsführungen angeboten. Das gesamte Programm des Abschlusswochenendes der Ausstellung finden Sie auf der Website der Villa Stuck. Extratipp: Wenn Sie in die Ausstellung gehen, nehmen Sie sich eine der Zeitungen mit. Neben einem schönen Wölfli-Druck findet man dort auch Bilder von Karl Valentin und mehr. Macht sich gut an Wänden aller Art.

Natürlich kann man sich auch auf die Pinakotheken in Zeiten wie diesen verlassen. In der Ausstellung Französische Kleinplastik des 19. Jahrhunderts in der Alten Pinakothek (bis 3.10.) sind zwar nur wenige, aber besonders qualitätsvolle Beispiele vertreten. Neben den großformatigen Werken von Thorvaldsen und Canova, aber auch von Rodin und Maillol zeigen die Plastiken von Antoine Louis Barye, Camille Claudel, Jules Dalou und anderen eine besondere Meisterschaft im kleinen Format. Subtil in Geste und Bewegung und mit ausgesprochen feiner Patinierung der Oberflächen empfahl sich die Kleinplastik insbesondere dem privaten Kenner. Die im Erdgeschoss der Alten Pinakothek ausgestellten acht Werke fassen dabei beispielhaft den Stilreichtum der Kleinplastik vom neobarocken Eklektizimus bei Carpeaux bis zum expressiven Realismus in August Rodins „Der Mann mit der zerbrochenen Nase“ zusammen.

Im Jahr seines 100. Geburtstags widmet die Pinakothek der Moderne mit Ich strahle aus. 100 Jahre Joseph Beuys dem Ausnahmekünstler ein Projekt ungewöhnlicher Art: Eine Auswahl seiner Multiples verlässt den musealen Raum und setzt an bewusst unterschiedlichen Orten in München – u. a. in einem Kino, einem Ministerium oder einem Forschungszentrum – neue Impulse im gemeinschaftlichen Austausch. Auf diese Weise wird Beuys‘ Ausspruch „Ich strahle aus“ buchstäblich umgesetzt und sein unmittelbares Wirken in die Gesellschaft hinein ermöglicht. Das Projekt strahlt auch in die Pinakothek der Moderne zurück, in der neben selten ausgestellten Multiples erstmals auch dessen 1974 in Afrika entstandenen „Sandzeichnungen“ gezeigt werden, die der mit Beuys befreundete Fotograf Charles Wilp dokumentiert hat.

Autor: Franz Furtner

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