Ausstellungen

Münchens Museen im Januar: Begeisternd Altbewährtes

Land of Dreams von Shirin Neshat in der Pinakothek der Moderne
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Land of Dreams von Shirin Neshat in der Pinakothek der Moderne

Im Januar kann man die Ausstellungen besuchen, in die man es im Jahresendtrubel nicht schaffte.

Nur wenige Münchner Museen starten ins Jahr 2022 mit neuen Ausstellungen, was aber bei so großer gebotener Vielfalt keine(n) Kunstinteressierte(n) verdrießen sollte. Eine Art Rückbesinnung auf alte Konstanten tut gerade im ersten Monat des dritten Corona-Jahres auch einfach gut. Nutzen wir die Münchner Museenlandschaft diesen Januar also am besten als verlässlichen Rückzugsort und Möglichkeit zum Treffen mit alten Bekannten.

Los geht’s im jüdischen Museum mit der Dauerausstellung Stimmen_Orte_Zeiten. Diese gibt neue Impulse und Informationen zur Münchner jüdischen Geschichte und Gegenwart und lädt zum Dialog ein. In sieben Installationen werden durch Stimmen von Zeitzeug*innen, Ritualobjekte, Fotografien, Videos und Comicstrips gewohnte Sehweisen zur jüdischen Geschichte, Kultur und Religion aufgebrochen und zur Diskussion gestellt. Dabei wird die Münchner jüdische Geschichte als integraler Teil der Stadtgeschichte sichtbar gemacht und auch auf ihre Einschnitte, Brüche und Leerstellen verwiesen. Die erste Installation Stimmen erzählt über das Ankommen jüdischer Familien und Einzelpersonen in den letzten 200 Jahren und jede dieser Tonspuren stellt eine Lebensgeschichte vor, die nach München führt oder die Stadt für einige Jahre streift. Die Installationen Orte und Bilder verorten die Lebenswege Einzelner im Münchner Stadtplan und zeigen Momentaufnahmen aus dem Leben jüdischer Münchner*innen, vom Chemie-Nobelpreisträger über die Auswanderin bis zum Gemeinderabbiner. Der Ausstellungsbereich Rituale stellt anhand jüdischer Kultgegenstände religiöse Traditionen im familiären Umfeld und in der Synagoge vor und thematisiert jüdische Fest- und Feiertage. Ein Comic des Zeichners Jordan B. Gorfinkel lenkt die Aufmerksamkeit auf den Neubeginn jüdischen Lebens nach 1945 und spannt auf kurzweilige Weise den Bogen bis in unsere Gegenwart.

Dann raus und die Maximiliansstraße runter ins Kunstfoyer, wo wir Ihnen wieder Where the world is melting (bis 13.3.), die erste Retrospektive des Fotografen Ragnar Axelsson aus den Serien Faces of the North (Gesichter des Nordens), Glacier (Gletscher), Last Days of the Arctic (Letzte Tage der Arktis), und Arctic Heroes (Helden der Arktis) empfehlen. Die Themen des bedeutenden isländischen Fotografen sind die Veränderungen in der physischen und traditionellen Realität des Nordens. Seit über 40 Jahren fotografiert Axelsson (geb. 1958) Menschen, Tiere und Landschaften in den entlegensten Regionen Grönlands, Islands und Sibiriens. In schlichten Schwarz-Weiß-Bildern fängt er die elementare menschliche Erfahrung in der Natur am Rande der bewohnbaren Welt ein. Axelsson macht die außergewöhnlichen Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und Orten in der Arktis und ihrer extremen Umwelt sichtbar - Beziehungen, die sich aufgrund des beispiellosen Klimawandels auf tiefgreifende und komplexe Weise ändern.

Ganz anderes Thema: Die Ausstellung Nachts. Clubkultur in München (bis 1.5.) im Münchner Stadtmuseum nimmt ihre Besucher*innen mit auf einen Streifzug durch die Münchner Nacht. Besonders in München, der Stadt der Hochkultur und schönen Künste, wird die tragende Rolle dieser Subkultur oft unterschätzt und findet zu wenig Beachtung. Das Münchner Stadtmuseum wirft mit dieser kulturhistorischen Ausstellung ein Schlaglicht auf die Münchner Nacht und beleuchtet die Clubkultur als bedeutenden Bestandteil und sozialen Katalysator dieser Stadt. Faszinierende Objekte, atmosphärische Installationen und Fotografien aus acht Jahrzehnten dokumentieren das Nachtleben von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart und machen die Münchner Clubkultur erlebbar. Die Ausstellung widmet sich dem Thema in seiner ganzen Bandbreite: von legendären Orten über legendäre Nächte bis hin zu legendären Musiker*innen; von fabelhaften Inszenierungen bis zum fahlen Licht des Morgengrauens; von den Menschen, die feiern bis zu einer ganzen Industrie, die davon lebt. „Nachts“ verhandelt Themen wie Gender, Sexualität, Gemeinschaft und deren Codes, Rausch und Euphorie sowie den Ge- und Missbrauch legaler und illegaler Drogen. Die Ausstellung fragt aber auch nach der Bedeutung des Nachtlebens und der Clubkultur in Bezug auf die Urbanisierung Münchens und lenkt den Fokus auf die prekäre Situation der Clubs, die sich durch die Corona-Pandemie zusätzlich verschärft hat.

Perfekt in einen innerstädtischen Spaziergang einzubauen ist ein Besuch in der Kunsthalle München. Die Ausstellung Fantastisch real. Belgische Moderne von Ensor bis Magritte (bis 6.3.) präsentiert rund 130 Meisterwerke aus der Zeit von 1860 bis 1960. Anhand von Gemälden, Grafiken und Skulpturen veranschaulicht die Ausstellung, wie die damalige Kunst die Grenzen von Fantasie und Wirklichkeit stets aufs Neue auslotete. Dabei rückt die schlichte Alltagsrealität ebenso in den Blick wie die Geheimnisse und Rätsel jenseits der sichtbaren Welt. Die Schau beleuchtet den besonderen Weg der belgischen Kunst von realistischen Szenen des einfachen Volkes und atmosphärischen Landschaften über die fantastischen Maskeraden James Ensors bis zu den surrealen Welten von Paul Delvaux und René Magritte. Neben solchen großen Namen sind etwa 40 weitere, in Belgien berühmte, hierzulande jedoch kaum bekannte Persönlichkeiten wie Eugène Laermans, Constant Permeke, Marthe Donas oder Rik Wouters zu entdecken.

Mit einer Auswahl an Installationen, Skulpturen, Textilien, Videoarbeiten und Performances präsentiert das Museum Villa Stuck die bisher umfassendste Einzelausstellung Sound of Spaces (bis 20.2.22) von Nevin Aladağ. Die international renommierte Künstlerin beschäftigt sich seit den 1990er-Jahren intensiv mit Musik und Klang als Mittel der bildenden Kunst. Spielerisch und mit einem ausgeprägten Sinn für Ironie kombiniert sie Bilder und Klänge, um immer wieder überraschende Wahlverwandtschaften offenzulegen, die eine Vielfalt an Assoziationen in Gang setzen. In der Welt von Aladağ gerät das Alltägliche in Bewegung, Objekte fangen an, zu musizieren, sie verwandeln sich und lassen der Fantasie ihren Lauf. Dabei lotet Aladağ die Grenzen der Kakofonie aus; sie untersucht, wann ein stimmiges Gesamtbild entsteht, ohne die Individualität der einzelnen Klangspuren aufzugeben. Dafür experimentiert sie mit den Klangeigenschaften verschiedener Objekte und deren simultaner Wirkung in verschiedensten Medien. Das Ergebnis ist ein vielfältiges, multidisziplinäres Werk, das zum ersten Mal in dieser Breite zu sehen ist. Die Ausstellung präsentiert jüngere Arbeiten, die zum Teil für das Projekt entstanden sind, im Dialog mit älteren Werken. Die Zusammenstellung verdeutlicht wiederkehrende Motive und Strategien, die sich – ganz nach dem Prinzip der einzelnen Arbeiten – gegenseitig kommentieren, um Neues hervorzubringen.

Selbstbewusst und kraftvoll, zugleich verletzlich und fragil wirken die Werke der iranischen Künstlerin, Fotografin und Filmemacherin Shirin Neshat (*1957), zu sehen in der Ausstellung Living in one land, dreaming in another in der Pinakothek der Moderne. Zentrale Themen ihres Schaffens sind Identität, Herkunft und Machtstrukturen. Die Verbindung und Erweiterung der reichen Tradition persischer und westlicher Bildsprachen prägen das Oeuvre der in den USA lebenden Künstlerin, deren Arbeiten im Zentrum der ersten Präsentation innerhalb der Kooperation mit der Written Art Collection stehen. Auch in ihrem jüngsten Werk, „Land of Dreams“ (2019), werden persische Kalligrafie und westliche Portraitkunst zusammengeführt, wobei sie erstmalig die Medien Fotografie und Video vereint. Die bedeutendste iranische Künstlerin der Gegenwart schafft in ihrem Werk durch die Verbindung von Schrift, gestischem Ausdruck und Formatvariation eine rhythmisch poetische Dichte, der jeweils ein eigenes Narrativ universeller menschlicher Erfahrungen eingeschrieben ist.


Gerade in der staden Zeit, sie so stad ja oft gar nicht ist, macht es auch Spaß mal mit den lieben Kleinen gemeinsam auf Museumstour zu gehen. Klassiker hierfür ist das Museum Mensch und Natur: Hier kann man den Aufbau und die Dynamik unserer Erde verfolgen, die farbenfrohe und faszinierende Welt der Minerale bestaunen oder der Evolution des Lebens von den frühesten Anfängen bis zur Entstehung des Menschen nachspüren. Weitere Abteilungen beschäftigen sich mit der Funktionsweise unseres Gehirns, der Genforschung sowie der Ernährung von Mensch und Tier. Ein besonderes Highlight ist die Abteilung „Spielerische Naturkunde – nicht nur für Kinder“. Hier kann man auf unterhaltsame Weise Fragen aus dem Tier- und Pflanzenreich nachgehen sowie viele beeindruckende Exponate bestaunen. Dem Braunbären JJ1 alias „Bruno“ ist ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet, der neben dem Präparat auch zahlreiche Bild- und Filmdokumente zeigt. Aktuelles Highlight nebenbei: Die aus London kommende Ausstellung zum Wildlife Photographer of the Year 2021.

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