Buchtipp

Von einem, der auszog – Bildband zum Werk Erwin Pfrangs

Erwin Pfrang: Gedacht durch meine Augen

Der neue Bildband Erwin Pfrang „Gedacht durch meine Augen“ aus dem Verlag Hirmer zur Ausstellung im Buchheim Museum, gibt Einblick in eine faszinierende groteske Welt.

„Gedacht durch meine Augen“ – so lautet der Titel des neuen Bildbandes über den Münchner Maler Erwin Pfrang, der kürzlich zu seiner Ausstellung im Buchheim Museum beim Verlag Hirmer erschienen ist. 

Entnommen ist das Bonmot einem der zahlreichen Essays aus des Malers eigener Feder, die im Buch immer wieder eingesprenkelt werden und interessante Einblicke ins grundlegende Wahrnehmungsverständnis Pfrangs und so in die vom Künstler vermutete Ausgangslage eines jeden schöpferischen Aktes gewähren. Was hier komplex klingen mag, ist es auch, wird dabei aber in sympathisch-süffisantem Ton formuliert. Ein Beispiel: Pfrang nennt seine Pinsel „kompetente Berichterstatter des Reisens durch das Land der menschlichen Inkompetenz“. Ironisch und dennoch mit Erkenntnisgewinn führt Pfrang in seine Welt ein.

Alle Termine der Ausstellung "Erwin Pfrang: Gedacht durch meine Augen" im Buchheim Museum

Und was für eine Welt das ist: Mal zurückgenommen mit klarem Fokus auf wenige Charaktere (Frau mit Verwachsung, 2017), mal beinahe als Wimmelbilder (Gehversuche, 2017), inszeniert der Maler und Vielreisende seine aus dem Alltag gegriffenen, furchigen Figuren. Diese: In Pfrangschem Perspektivenspiel grotesk verzerrt. Als hätte Oskar Kokoschka ein Geodreieck gekauft, es dann aber Egon Schiele geliehen.

Die vielen selbstverfassten Texte zur Bilderwelt des Künstlers sind dem Herausgeber Daniel J. Schreiber zu verdanken. Dieser begleitet Erwin Pfrang schon lange, ist ein intimer Kenner des Werks und schafft es bereits im Vorwort mit spürbarer Liebe zum Oeuvre des Künstlers den Leser für die kommenden 140 Seiten anzufixen. In seinen Kommentaren zu den einzelnen Bildern aus den letzten 10 Jahren gibt er teils Informationen zur Entstehung, interpretative Ansätze oder biographische Hinweise. Hier wird klar, wie es dem Künstler gelingt spielerisch zwischen grotesken und eher dokumentarisch-engagierten Motiven abzuwechseln. Auch der bei Pfrang stark ausgeprägte Hang zur Literatur wird genauer beleuchtet. Welchen Einfluss haben Günther Eich, Franz Kafka und James Joyce auf das Werk von Erwin Pfrang? Daniel J. Schreiber klärt lustvoll auf.

Alles in allem ein eindrucksvoller Bildband, der den Betrachtenden mit viel Esprit und Witz auf eine Reise in den Kosmos „Erwin Pfrang“ zu schicken weiß. Engagiert, grotesk und inspirierend zugleich.

Autor: Franz Furtner

Erwin Pfrang: „Gedacht durch meine Augen“, Verlag: Hirmer
144 Seiten, 68 Abbildungen in Farbe, 29,90 €; ISBN: 978-3-7774-3288-5


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