Highlights

Die Ausstellungs-Highlights zum Jahreswechsel

Rund und bunt: Christbaumschmuck im Bayerischen Nationalmuseum

Christbaumschmuck, Ausflüge aufs Land, Krieg und Knetmasse

Wann er stehen muss, ist klar. Am 24. Dezember. Aber wann wird der Christbaum wieder abgebaut? Das ist bis heute nicht klar geregelt. Oder vielmehr: Das ist heute nicht mehr klar geregelt.

Früher, als man zum Beispiel noch katholisch war, blieb er bis zum 2. Februar, Maria Lichtmess, stehen. Theoretisch. Denn so ein Baum nadelt ja. Und was nach sieben Wochen noch von ihm übrig ist? Na, das Lametta allemal. Deshalb orientiert man sich mittlerweile an den Kehraus-Koeffizienten Wohnungsgröße, Nadelfallfrequenz und Silvesterpartyplänen.

Denn wer mit Gästen zuhause feiert, braucht schließlich Platz zum beschwipst beschwingt befreiten Tanz nach zwölf. Statistisch gesehen schmücken aber die meisten am 6. Januar ab, dem Dreikönigstag. Dann hat der grüne Freund seine Schuldigkeit getan und wird von der Müllabfuhr eingesammelt. Aus der Traum. Aber halt, wir wollen Weihnachten ja nicht von hinten auf zäumen, sondern erstmal den Baum festlich einkleiden. Mit Gold und Silber und Klingeling und Dingeling, mit Naschwerk und Engelchen und mit Christbaumkugeln, in deren feisten bunten Backen sich der flackernde Schein der Kerzen multipliziert. Bunt, schlicht, verspielt, glitzrig oder ausschließlich mit Glas – wie man seinen Baum schmückt, ist meist familiär-rituell geprägt.

Und so ist es nur konsequent, dass das Bayerische Nationalmuseum Anfang dieses Jahres den kompletten Christbaumschmuck der seit 1966 in München lebenden Schwestern Elfrun und Waltraud Koch aufkaufte, um so den historischen Bestand an Christbaumschmuck des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu erweitern. Natürlich sind jede Menge bunter Christbaumkugeln dabei, Holzfiguren aus dem Erzgebirge, selbstgebastelte Strohsterne, Perlenketten und Rauschgoldengel. Die Ausstellung Christbaumschmücken (geschlossen am 24. und 31. Dezember, 1. Januar) weiß, was sich in München gehört und läuft bis zum 3. Februar. Wer es vor Heilig Abend schafft, kann sich spontan noch ein paar Anregungen holen. Wer danach losmarschiert, kann das Farbkonzept fürs nächste Jahr überdenken. Denn nach Weihnachten ist ja immer auch vor Weihnachten. Irgendwie.

Und nu? Sind erstmal Ferien. Und weil es draußen hoffentlich winterlich kalt ist, geht man zwischen den Mahlzeiten ins Museum. Dort ist es warm, und man bekommt geistige Nahrung. Garantiert kalorienfrei, und dass jemand nach einer Ausstellung Sodbrennen bekommen hat, habe ich auch noch nie gehört. Aber was schaut man an? Na, all das, was man noch nicht gesehen hat und zwar streng alphabetisch. Oder orientiert man sich doch besser an den Laufzeiten?

Oder fährt mal raus aufs Land, weil man unterm Jahr zwar nach Thailand, Barcelona oder Südfrankreich fährt, es aber nie ins Franz Marc Museum schafft? Dabei liegt das kleine Museum ganz wunderhübsch am Kochelsee, um den es sich prima herumspazieren lässt. Die aktuelle Ausstellung Franz Marc – Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen  (bis 17. Februar, geschlossen am 24. und 31. Dezember) zeigt alle Papierarbeiten aus dem Museumsbestand und ist der Auftakt einer Reihe von Präsentationen aus dem Depot.

Noch näher am See gelegen, allerdings am Starnberger See, ist das Buchheim Museum (24. und 31. Dezember geschlossen). Hier geht es um „unmittelbare und unverfälschte“ Kunst, wie sie die „Brücke“ in ihrem Programm 1906 forderte. Gegründet haben die Künstlergruppe die vier Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff 1905 in Dresden. Form, Farbe, Ausdruck! (bis 3. Februar) zeigt über 220 Arbeiten von Karl Schmidt-Rottluff aus seinem gesamten Schaffenszeitraum von 1899 bis 1974 und verbindet dabei das formal Künstlerische mit dem biografisch Persönlichen. Und dann geht es weiter vom Expressionismus zum 1. Weltkrieg. Die Ausstellung Dix & Pechstein – der Erste Weltkrieg in Bildern(bis 24. März) erinnert an das hundertjährige Ende dieser Katastrophe. Beide Künstler waren im Feld und haben die traumatisierenden Ereignisse reflektiert. Der 50 Blätter umfassende Radierzyklus „Der Krieg“ von Dix wird vollständig gezeigt, ergänzt von der Aquarell-Serie „Die Sommeschlacht“ von Pechstein. All das, was die beiden Künstler nach dem Krieg aufs Papier brachten, hatten sie tatsächlich gesehen. Furchtbare Bilder von Verwundeten, Verschütteten, Sterbenden, Verwesenden, von Angst zerfressenen Soldaten. Sehenswert unerbittlich.

Dann bleibt einem eigentlich nur noch der Weg in die Villa Stuck. Dort ist auch alles kaputt, aber ob ein Krieg diese Zerstörung verursacht hat, weiß man nicht. (bis 3. Februar, 24. Dezember geschlossen) hat der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn seine Ruinenskulptur genannt. Über zwei Stockwerke mäandert sie sich durch die schmucke Künstlervilla und bietet den schicken Münchnern einen Erlebnisraum, der über das Ästhetische Erleben hinaus geht. Hier, wo alles kaputt ist – warum auch immer – ist plötzlich auch alles möglich. Hier gibt es keine Erwartungen mehr, keine Gehaltsvorstellungen oder Kaschmirpullis. Hier zählt plötzlich und ganz automatisch das, was Du bist. Und das, was Du tust. Oder nicht tust. Eine Art Neuanfang. Never Give Up The Spot

Und dann kann man noch auf das Narrenschiff hüpfen und volle Kraft voraus gen Wahrheit segeln. Die Irrfahrten des Meese (bis 3. März, 24., 25. und 31. Dezember geschlossen) Katalog) ist eine Rundumwerkschau und rückt Jonathan Meeses Umgang mit Bild und Text ins Zentrum. Kern der Ausstellung in der Pinakothek der Moderne sind 18 Gemälde aus einer Serie, die sich im Besitz des Künstlers befindet und bis jetzt von ihm zurückgehalten wurde. Einige der Bilder wurden noch nie öffentlich gezeigt. Dazu 25 Raummodelle und Kleinplastiken sowie rund 75 Zeichnungen, Fotocollagen und Künstlerbücher. Hier begreift einer die Realität als Knetmasse, aus der jeder macht, was er will. Vor allem der Künstler. Also nehmen Sie sich bitte ein Beispiel und kneten Sie sich die Realität des neuen Jahres selbstverantwortlich zurecht.

Autorin: Barbara Teichelmann

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