Ansichtssache

Florenz und seine Maler in der Alten Pinakothek

Fast frontal: Botticellis Porträt ist eines der ersten, das die Dame nicht mehr im Profil zeigt, sondern aus dem Bild herausblicken lässt.

Verlängert bis 3. Februar: Florenz und seine Maler in der Alten Pinakothek

Man könnte denken, die Renaissance sei ein Land, das man noch immer bereisen kann. Und ein bisschen stimmt das ja auch, also kunsthistorisch gesehen. Denn das, was wir Italienreisende wahrnehmen, sind ja weniger die aktuellen sozialen und politischen Entwicklungen, sondern die Uffizien, die Kirchen und die Campanile. Und natürlich die Künstler.

Unter uns, wie viele Namen hätten Sie parat, würden Sie aufgefordert, schnell mal eine Handvoll zeitgenössische italienische Künstlerinnen und Künstler aufzuzählen? Wohingegen Ihnen bestimmt aus dem Stand einige Renaissancekünstler einfallen würden, wetten? Fra Angelico, Filippo Lippi, Antonio Pollaiuolo, Andrea del Verrocchio, Domenico Ghirlandaio, Sandro Botticelli, Filippino Lippi, Leonardo da Vinci, Lorenzo di Credi und Fra Bartolommeo – und da ist Michelangelo noch gar nicht dabei.

Der fehlt auch in der Ausstellung „Florenz und seine Maler – von Giotto bis Leonardo Da Vinci“, aber nicht etwa, weil er nicht in Florenz tätig gewesen wäre oder als bedeutendster Künstler der Hochrenaissance nicht gut genug gewesen wäre. Es liegt ganz einfach daran, dass München keinen Michelangelo besitzt, und die Sonderausstellung zwar einige prominente Leihgaben aus dem Ausland akquiriert hat, sich aber doch zum großen Teil aus dem Bestand speist.

120 Meisterwerke sind insgesamt zu sehen, Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen, die die Neuerfindung der Welt am Geburtsort der Renaissance für uns nachvollziehbar machen. Keine Monsterausstellung also, aber dennoch gelingt es, die Entwicklung der neuzeitlichen Malerei von Giotto bis hin zu Leonardo da Vinci nachvollziehbar zu illustrieren. Gleichzeitig geht es um die reiche Patrizierfamilie der Medici, ohne deren Geld Florenz und Renaissance gleichermaßen nicht denkbar sind.

Das Bild, in dem diese Aspekte zusammentreffen und auch für uns heute noch sichtbar sind, ist Botticellis „Anbetung der Hl. Drei Könige“, eine Leihgabe aus den Uffizien. In Auftrag gegeben hat das Bild der Florentiner Banker Guaspare di Zanobi del Lama. Er war ein Freund der Familie der Medici und wollte seiner Ergebenheit in einem Altarbild für die Kirche Santa Maria Novella Ausdruck geben. Sowohl der Auftraggeber selbst, als auch zum damaligen Zeitpunkt bereits verstorbene und noch lebende Medici sind in dem Bild verewigt worden. Und ganz rechts am Bildrand, in einen gelben Mantel gehüllt, hat sich der Künstler selbst verewigt. Seine Hände, mit denen er das Bild gemalt hat, sieht man nicht. Dafür schaut er direkt und sehr selbstbewusst aus dem Bild heraus. Das ist der Blick eines Künstlers, nicht der eines Handwerkers. Wie viele seiner Kollegen inszeniert sich Botticelli als geistigen Schöpfer auf der Suche nach den Gesetzen von Harmonie und Schönheit.

Man entdeckte die wissenschaftliche Zentralperspektive, zeichnete nach der Natur und studierte die Werke der Antike. Wer nur kurz in die Ausstellung schaut, ist vielleicht ein bisschen enttäuscht, weil es keine internationale Mammutausstellung ist, für die man mindestens eine Woche Zeit bräuchte. Wer sich aufmerksam durch die Erklärtafeln liest und sich Zeit lässt bei der Betrachtung der Studien, Porträts, Skulpturen und Altartafeln, der lernt einiges. Oder frischt seine Kenntnisse mal wieder ein bisschen auf.

Autorin: Barbara Teichelmann

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