Ansichtssache

"Re-visions" in der Pinakothek der Moderne: Ein besonderer Blick

„Gefrorene Räume“ nannte Johanna Diehl (geb. 1977) die Fotoserie, in der sie verlassene Räume fotografiert.

Die Pinakothek zeigt Fotografien aus der Sammlung Wilde

Die eine Fotografie ist farbig. Ein Backsteinbau links, einer rechts, Pflastersteine, ziemlich weit hinten ein paar Autos. Eine ruhige Nebenstraße in New York. Links vorne im Bild steht die eine Frau mit dem schwarzen Kleid und dem Rücken zu uns, sie schaut nach rechts, so dass wir gerade noch ihre Wange sehen. 

Links neben ihr, halb verdeckt, steht die zweite junge Frau. Sie schaut in unsere Richtung, aber irgendwie ins Leere. Rechts daneben hängt eine zweite Fotografie in kontrastierendem Schwarzweiß, bei der man erst auf dem zweiten Blick erkennt, dass sie dieselben Personen zeigt. Nun steht die erste Frau sehr nah vor uns und schaut uns direkt an, die zweite blickt nach links aus dem Bild, der Hintergrund ist abstrakt schwarz. Eine Szene, zwei Kameras, zwei Blickwinkel. Das kann Fotografie – sichtbar machen, dass die Welt nicht nur das ist, was wir von ihr zu sehen imstande sind. Es gibt immer mehrere Perspektiven. „Exposure #78: N.Y.C., Collister & Hubert Street, 06.22.10, 7:56 p.m.“ (2010) hat die 1964 in München geborene Fotografin Barbara Probst dieses Diptychon genannt. Diese Arbeit kann insofern für die Sammlung Wilde stehen, als sie eine der vielen Herangehensweisen des Mediums thematisiert und also inhaltliche, als auch formale Vielfalt symbolisiert. Und von einer Frau stammt. 

Denn die Ausstellung „Re-visions“, die die Pinakothek der Moderne der 80-jährigen Ann Wilde zum runden Geburtstag ausgerichtet hat, zeigt ausschließlich Fotografinnen. Das ist nicht etwa eine Nebenwirkung der me-too-Debatte, sondern der Haltung oder besser dem Selbstverständnis von Ann Wilde und ihrem Mann Jürgen geschuldet. 1968 begann das Ehepaar, Fotografie zu sammeln, und von Anfang an war der Frauenanteil hoch und ist es geblieben. Als man nach einem roten Faden für die Ausstellung suchte, stieß man bald auf diese Besonderheit, die sich nicht nur durch die Sammlung – die in Form einer Stiftung 2010 an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen angegliedert wurde – zieht, sondern durch das ganze Schaffen und Wirken der Wildes. Denn auch, als das Paar 1972 in Köln die erste deutsche Galerie für Fotografie gründete, waren dort (bis zu ihrer Schließung 1985) überdurchschnittlich viele Künstlerinnen zu sehen. Einerseits ist das nichts, was man hervorheben müsste, andererseits eben doch. 

Schon allein, weil die kleine und fein kuratierte Einraumausstellung mit Werken von Johanna Diehl, Rineke Dijkstra, Marie-Jo Lafontaine, Barbara Probst, Alexandra Ranner, Judith Joy Ross, Martina Sauter, Eva-Maria Schön, Kathrin Sonntag, Heidi Specker und Vibeke Tandberg eine ganz persönliche Sicht auf die Fotografie der 1920er-Jahre bis in die jüngste Gegenwart liefert. Und das ist eben in diesem Fall – die Sicht einer Frau.

Autorin: Barbara Teichelmann

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