Interview

Schlachthof-Betreiber Markus Kraft: „Wieder richtig Gas geben“

Markus Kraft

Der Schlachthof muss leider noch geschlossen bleiben. Am 23.5. lässt Betreiber Markus Kraft mit den Double Drums einen Streaming-Gig steigen. Aufsperren will er so schnell wie möglich.

Eigentlich herrscht rund um Ihr Haus im Schlachthofviertel ja viel Betriebsamkeit, nicht zuletzt mit der großen Volkstheater-Baustelle. Was für ein Gefühl ist es für Sie, wenn Sie aktuell durch den Wirtsraum und die Säle Ihr schönes Haus gehen, das im Böses-Märchen-Schlaf liegt?
Am Anfang war es nicht ganz so schlimm. Das ganze Viertel bzw. die Stadt hat geschlafen, und ich habe verstanden, dass es notwendig ist. Aber als die Wochen ins Land gezogen sind, kam immer mehr die Wehmut. Diese Stille und Einsamkeit in den Räumen zu fühlen, in welchen normalerweise ausgiebig gelacht wird, schmerzt. Besonders jetzt, da es gefühlt „da draußen“ wieder normal ist, nur wir und unsere Branche noch schlafen, ist besonders befremdlich.

Was nach außen wie ein verschlossenes Haus wirkt, bringt hinter den Kulissen ja aktuell vermutlich viel Arbeit und noch mehr Stress mit sich. Wie schaffen Sie es, im Wust der vielen Umplanungs- und Verschiebungsarbeiten beim komplett durcheinander gewirbelten Spielplan einen ruhigen Kopf zu behalten?
Aktuell hat sich die Situation wieder beruhigt, und der Arbeitsaufwand hält sich in Grenzen. Da keiner von uns wirklich weiß, wann es wieder los gehen kann und vor allem auch nicht unter welchen Umständen, macht es eine gute Planungsarbeit fast unmöglich. Wir haben bereits vorher mit allen Künstlern und Agenturen Kontakt aufgenommen und ein „Was-wäre-wenn“-Konzept ausgearbeitet bzw. vorab Ersatzdaten besprochen. Somit planen wir eigentlich nur noch von Woche zu Woche.

Wie sehr schmerzt das Gefühl, dass ausgerechnet der Kulturbereich sich offenbar brav hinten anstellen sollte?
Das schmerzt sehr. Wirklich. Vor allem da es nur schwer zu verstehen ist, wenn man sich die aktuelle Situation auf den Straßen anschaut.

Natürlich möchte niemand die Gesundheit gefährden und das hoffentlich bereits Erreichte allzu leichtfertig wieder aufs Spiel setzen: Doch wie könnte Ihrer Ansicht nach ein Schlachthof-Betrieb unter Corona-Bedingungen konkret aussehen?
Aktuell wird es wohl nur mit einer Maske und genügend Abstand funktionieren. Dazu kommt ein gut durchgelüfteter Raum und entsprechendes Mitwirken unserer Gäste. Nur so wird es wohl die nächste Zeit möglich sein.

Kann etwa ein Kabarett-Abend, bei dem mit großem Abstand und Maskenpflicht sehr gesittet gelacht wird, überhaupt funktionieren - wirtschaftlich wie von der Gaudi her?
Das ist eine gute Frage. Ich denke, jeder Künstler kennt die Situation, an einem schlecht verkauften Abend vor wenig Publikum zu spielen. Das ist jedes Mal ein Kraftakt für den Künstler, die Menge mitzuziehen und für gute Stimmung zu sorgen. Oftmals kann da eine Kleinigkeit bereits die Stimmung sinken lassen, und der Abend ist gelaufen. Lachen steckt bekanntlich an, wenn nun der Raum relativ leer ist, wird es einfach schwieriger, für gute Stimmung zu sorgen – aber möglich ist es meiner Meinung nach schon.

Vom wirtschaftlichen Aspekt wird es sicherlich auch nicht leicht. Preise für den Eintritt können nicht auf einmal explodieren, um den entgangenen Umsatz auszugleichen. Somit müssen wir mit dem wirtschaften was da ist. Das wird nicht leicht.

Einige der Künstler, die in den nächsten Wochen bei Ihnen spielen sollten, haben sich ja auf Streaming-Lösungen eingelassen. Wie knifflig war es, so etwas spontan auf die Beine zu stellen?
So genau kann ich das nicht beantworten, da wir selbst so etwas bisher nicht gemacht haben. Wir wollten es am Anfang auch umsetzen, haben uns dann aber dagegen entschieden. Viele der Streams waren am Anfang aus dem Wohnzimmer und wurden mit einem Handy aufgenommen. Das war für die meisten Künstler genau das Richtige und vermutlich auch das, was die Zuschauer wollten. Jetzt glaube ich reicht so etwas nicht mehr aus.

Um eine gute Produktion auf die Beine zu stellen, muss erstmal wieder investiert werden. Dazu benötigt man neben dem Kamera-Equipment auch jemanden, der das bedienen und online stellen kann. Wir haben nun am 23. Mai den ersten Stream live aus dem Schlachthof mit Double Drums aus München. Dies wird professionell von einer darauf spezialisierten Firma durchgeführt, damit der Stream in möglichst guter Qualität zuhause an den Bildschirmen ankommt. Mal sehen wie der Abend so läuft, vielleicht könnte das in Zukunft für uns nicht unwichtig sein.

Man kann den Schlachthof aktuell ja über Vorfreude-Gutscheine unterstützen. Wie viel Rückenwind – wenn auch nur psychologisch – gibt ihnen das?
Wir konnten kaum glauben, dass in den ersten paar Tagen ohne große Ankündigung bereits einige Gutscheine verkauft wurden. Das hat unglaublich gut getan und uns noch mehr motiviert, in Zukunft wieder für unsere Gäste da zu sein und mit ihnen gemeinsam zu lachen!

Letzte Frage: Wie häufig ertappen Sie sich bei schönen Wunschgedanken, wenn Sie schon mal ein großes mehrtägiges Alles-wieder-gut-Festival durchplanen?
Die Frage ist wohl eher, wann man nicht an so etwas denkt. Wir können es zumindest kaum mehr erwarten, wieder richtig Gas zu geben!

Interview: Rupert Sommer

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