Mittwoch, 22. Mai 2013
ALLE VERANSTALTUNGEN
für 14 Tage & Nächte in München

Theater

O Death In den Kammerspielen

Um den gut abgehangenen Orestie-Mythos und die einschlägigen Aischylos-Stücke rund um die Familienzwistigkeiten kurz vor Ausbruch des Trojanischen Kriegs kreist Jan Decortes "Neudichtung" des klassischen Werkes von Aischylos. Er deutet die Entwicklung dahin, dass die Griechensippe nach und nach beschloss, das Weltenlenken und Schicksal-Spielen nicht länger den Göttern zu überlassen, sondern selbst die Dinge als Demokraten in die Hand zu nehmen. „Das Leben ist ein Gewirr von Entscheidungen, die wir Menschen treffen müssen“, sagt Decorte. „Und das sollten wir uns auch trauen.“ In den Hauptrollen: Benny Claessens, Sigrid Vinks und Oliver Mallison.

Roberto Zucco Im Volkstheater

Ohne jede Gewissensnöte kommt Ro­berto Zucco, der namensgebende ­reale Gewaltverbrecher aus Italien, in Bernard-Marie Koltés’ Drama aus. Nach mehrfachem Mord landet Zucco im Gefängnis, aus dem er allerdings fliehen kann. Sein Weg führt ihn zu seiner Mutter, der er einst den Ehemann getötet hat. Er herzt und küsst seine Mama – und drückt sie zu Tode wie ein Insekt. Später vergewaltigt er ein kleines Mädchen, ersticht auf der Flucht einen Polizeiinspektor und erschießt einen Jungen. Alles beiläufig, wie normal. Zucco mordet im Vorbeigehen – ohne Hass, ohne Not, ohne Leidenschaft. „Ich habe keine Feinde, und ich greife nicht an. Ich zerquetsche die anderen Tiere nicht aus Bosheit, sonder weil ich sie nicht gesehen habe und weil ich auf sie getreten bin“, sagt er. Regisseur Milos ­Lolic versucht zu ergründen, was er damit meint.

Zement Im Residenztheater

Eine ungastliche Metapher: Denn Zement von Heiner Müller spielt am kalten, lebensfeindlichen Ort. Nach drei Jahren in den Revolutionskriegen kehrt Kommandeur Gleb Tschumalow wie einst der antike Odysseus zurück – und findet sich in der fremden Heimat nicht mehr zurecht. Die Zementfabrik bröckelt vor sich hin. Frauen halten mit Armenspeisungen im Kinderheim einen Rest-Anschein von äußerer Ordnung aufrecht. Doch die Sitten sind verkommen, und die Moral ist dahin. Für ihre verlogenen Ideale opfert Glebs Frau das eigene Kind – wie Medea. Zorn kocht in ihm hoch – auf die bürgerliche Doppelmoral und die abgenutzten Parolen. Wie beim wütenden Achilles. Wer sich in der antiken Welt genauso zurecht findet wie im totalitären Denken, für den ist dieser Theaterabend ein Spaziergang. Regie: Dimiter Gotscheff. In den Hauptrollen: Valery Tscheplanowa, Sebastian Blomberg und Bibiana Beglau.

Plattform In den Kammerspielen

Wie ein Außerirdischer in seiner eigenen drögen Büroumwelt kommt sich der frustrierte französische Kulturbeamte Michel (wie Autor Michel Houllebecq) vor. Die Dauerkarte für den Erotikclub hat er, Befriedigung findet er aber keine. Doch dann trifft er Valérie, eine erfolgreiche, auch sexuell expansive Tourismusmanagerin. Mit ihr entwirft er Pläne für ein weltweites Körpersäfte-Austauschprogramm, das Erste und Dritte Welt zusammenbringt. Und all das fast ein bisschen sehr idealistisch. Unter der Regie von Stephan Kimmig kommt der Skandalroman, der nur oberflächlich aufregend ist, auf die Bühne. „Houllebecq beschreibt auf schockierende Art und Weise, wie man sich selber verliert, Kontakte verliert, weil man keine Energie mehr hat, um mit anderen Menschen in Beziehung zu treten“, so Kimmig.

Jenseits von Eden In der Schauburg

Es gibt keine furchterregendere Geschichte von Selbstgerechtigkeit und Brutalität als jene von Kain und Abel. Kein Wunder, dass der alttestamentarische Brudermord noch immer in John Steinbeck wühlte, als er sein Drama schrieb. Darin verteilte er das biblische Geschehen auf mehrere Generationen und drei Zeitebenen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs. Zunächst einmal wird von Charles und Adam erzählt, die beide um die Gunst ihres überstrengen Vaters buhlen und mit militärischem Drill geschunden werden. Doch während der eine sich unterordnet, führt Charles die Farm weiter und tröstet sich über seinen Lebensfrust in den Kneipen hinweg. Adam nimmt blind vor Liebe eine schwer verletzte Frau auf, heiratet sie und bekommt mit ihr die Zwillinge Caleb und Aron. Die Mutter verlässt die Familie, um ein Bordell zu eröffnen. Dort trifft sie Jahre später Caleb wieder. Und Aron bleibt nichts anders als die erneute Flucht in den grausamen Militärdienst. Es ist ein hartes Stück, ein sehr sehenswertes. Regie führte Gil Mehmert.

Onkel Wanja In den Kammerspielen

"Hier haben Sie mein Leben und meine Liebe: Wo soll ich hin damit?".
Von geplatzten Lebensträumen und dem beklemmenden Zwang, ohne alle Illusionen trotzdem weiterschuften zu müssen, weiß bestens Anton Tschechows Drama zu erzählen. Der Klassiker über die Trostlosigkeit auf russischen Landgütern, in denen die Zeit bleiern schwer voranschleicht, kommt in einer Neu-Inszenierung von Karin Henkel und Johan Simons zurück auf die große Bühne. „Und wenn sich einmal einer aufrafft, seiner verzweifelten Wut Ausdruck zu verleihen, wenn er den Professor erschießen will, schießt er vorbei“, so die Regisseurin. In den Hauprollen: Maximilian Simonischek, Stephan Bissmeier Stefan Merki, Benny Claessens und Wiebke Puls.

Geschichten aus dem Wiener Wald Im Münchner Volkstheater

Tja, zwischen dem Metzgerladen und dem „Zauberkönig“-Geschäft im Kleinstadtambiente vor den Toren Wiens ist das Glück nicht wirklich zu Haus. Schon seit frühester Kindheit ist Marianne, die Tochter des Spielzeugwaren-Händlers, dem grobschlächtigen Metzgergesellen Oskar versprochen. Doch dann fällt sie auf den Strizzi Alfred rein, der sein Geld auf dem Rennplatz macht und auch sonst kaum Skrupel kennt. Als das Kind kommt, ist der Schreck groß. Marianne schlägt sich als Nachtclub-Tänzerin durch, Alfred lässt sie sitzen – und die Oma „pflegt“ das Baby tot. Irgendwann gibt’s in Ödön von Horváths Geschichten keinen Ausweg mehr: Marianne muss sich Oskar an die schmierige Brust schmeißen. Christian Stückl inszenierte den Klassiker. In den Hauptrollen: Lena Schultze, Max Wagner und Jean-Luc Bubert.

Die Ballade vom traurigen Café Im Residenztheater

Nichts tun, nur hoffen – und dann noch mehr enttäuscht werden: Das ist die betrübliche Essenz von Carson McCullers scharfsinniger Kleinstädter-Geschichte. Tief im weltvergessenen Süden der USA steht Miss Amelia Nacht für Nacht hinter der Theke ihres kleinen Ausschanks und verkauft selbstgebrannten Whisky. Eines Tages weht es ihr einen kleinen, buckligen Unbekannten in den Laden – und eine wundersame, wenn auch zu kurze Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. Denn schon bald wird Marvin Macy aus dem Zuchthaus entlassen. Regisseur Walter Meierjohann konnte mit Star-Schauspielerin wie August Zirner und Juliane Köhler in die Vollen gehen.

König Lear In den Kammerspielen

Geht’s noch garstiger? Wohl kaum. König Lear ist mit großer Sicherheit das menschlich erschütterndste Shakespeare-Drama, weil es die große Frage nach dem Sinn des Lebens und der Vergeblichkeit, sich irgendwie anständig zu arrangieren, stellt. Bekanntlich bekommt Cordelia, Lears Jüngste und die einzige Tochter, die ein Herz hat, für ihre ehrliche Vaterliebe die eiskalte Schulter gezeigt. Lear tobt als alter blinder Depp über die einsame Heide – und erkennt seinen hochtragischen Fehler wieder mal viel zu spät. Johan Simons hat sich des proto-existenzialistischen Gruselstücks angenommen. Der kalte Schauer rutscht wieder mal über alle Rücken. In den Hauptrollen: André Jung, Marie Jung und Wolfgang Pregler.

Kabale und Liebe Im Residenztheater

Fast jeder, der ein Reclam-Heft halten konnte, wurde natürlich mit den Hofintrigen aus Friedrich Schillers Drama traktiert. Dort wollen sich der Präsidentensohn Ferdinand und die bürgerliche Luise lieben. Die Eltern haben wie üblich andere Pläne. Und der durchtriebene Schuft, Sekretär Wurm, plant eine brandgefährliche Störaktion. Für die Neuinszenierung des Sturm-und-Drang-Klassikers konnte Amélie Niermeyer gewonnen werden, die dem Resi seit langem eng verbunden ist. Und sie ist ein echter Fan des Stücks. „Kabale ist die größte und irrsinnigste Liebesgeschichte, die ich kenne“, beteuert sie. „Noch radikaler und berührender als ,Romeo und Julia’ – einfach unerbittlich.“ In den Hauptrollen: Andrea Wenzl, Michael Klammer und Guntram Brattia.

Fegefeuer in Ingolstadt In den Kammerspielen

Eine kalte Dusche hätte vermutlich den bemitleidenswerten jungen Pubertierenden aus Marieluise Fleißers eindringlichem Volksstück gut getan. In dem pervertierten Reigen der Leidenschaften, samt unehelicher Kinder und Abtreibungen, ringt eine geschundene Generation um Gehör. Regisseurin Susanne Kennedy reguliert den Überdruck auf dem Dampfkessel. „Marieluise Fleißer hat eine Seelenlandschaft skizziert, in der die Figuren auf Erlösung warten“, sagt sie. „Die Hitze verbindet sie. Das Fieber erzeugt Wahnbilder, die aber vielleicht auch eine Hoffnung, eine mögliche Läuterung in sich tragen.“ Immerhin könnte das Fegefeuer Heilung bringen.

Die Leiden des jungen Werther Im Münchner Volkstheater

Keine Berührungsangst mit Klassikern hat Regisseur Jan Gehler. Er bringt einen der beliebtesten Groschenromane der Goethezeit auf die Bühne. Der titelgebende junge Mann, der so gerne Künstler wäre, verschaut sich in die liebreizende Lotte. Doch die muss den braven Albert heiraten. Er besucht Lotte aber immer wieder, bedrängt sie regelrecht und versucht schließlich, sie zu küssen. Lotte löst sich aus seiner Umarmung und flieht, von ihren eigenen Gefühlen überwältigt, in ein Nebenzimmer. Für Werther ist klar, dass Lotte ihn auch liebt, aber seine Gefühle nicht offiziell erwidern kann. Werther beschließt, sich umzubringen, um Lotte die Freiheit zu geben, ein Leben mit Albert zu haben... Es wird gelitten und gelispelt. Und zum Schluss fällt ein Schuss. Schluchz! In den Hauptrollen sind Pascal Riedel und Mara Widmann zu sehen.

Der Revisor Im Residenztheater

Ein gewisser entrückter Glanz, wenig Festlichkeit allerdings, liegt über der Welt, in der Nikolai Gogols eigenwillige Komödie spielt. Es ist eine von der Welt vergessene Provinzstadt, die nach eigenen Gesetzen lebt und wie in einem bösen Märchenschlaf vor sich hin träumt. Die Gerichtsurteile fällt der dauerbesoffene Stenograph, während der eigentliche Richter ununterbrochen auf die Jagd geht. Und dabei gäbe es Vielerlei zu regeln, versinkt der Sündenpfuhl doch in einem Morast aus Bestechung, Veruntreuung, Vetterlwirtschaft und Geschäftemacherei. Wer noch ein wenig Geld hat, verschleudert es in der Kneipe oder in der Spielhölle. Selbst den offiziellen Honoratioren der Stadt ist nichts mehr heilig. Höchste Zeit, dass also mal wieder Angela Merkel die Troika vorbeischickt. Ach nein, von Griechenland war ja bislang gar nicht die Rede. Gemeint ist der staatliche Aufseher Revisor, der in den Südprovinzen nach dem Rechten sehen soll. Dumm nur das Chlestakow, ein junger Mann auf der Dienstreise, der nur etwas schneidiger aussieht und deswegen verwechselt wird, dies gar nicht ist. Zum Glück stellt sich schnell heraus, dass auch er ein Gleichgesinnter ist und alles so putzig verkommen weiterlaufen kann wie bisher. Und damit ist dann offenbar doch Griechenland gemeint, oder nicht?

Franziska In den Kammerspielen

Einen ganz großen Stoff, allerdings in starker Verfremdung durch den einstigen Bürgerschreck Frank Wedekind, hat sich Meisterregisseur Andreas Kriegenburg vorgenommen. Er setzt einen bizarren Faust-Pakt in Szene: Die Titelheldin lässt sich in der Travestie auf Goethe auf einen Handel ein: Der Versicherungsvertreter und Bühnendichter Veit Kunz hilft ihr, alle Spielarten männlicher Ausschweifungen kennenzulernen. Der Preis dafür ist allerdings saftig: Als Gegenleistung erwartet Kunz, dass ihm Franziska nach Ablauf der Exzessfrist als „willenlose Sklavin“ zur Verfügung stellt. Die Aufregung im Zuschauerraum war und ist vorprogrammiert. In der Hauptrolle glänzt Brigitte Hobmeier.

Die Anarchistin Im Residenztheater

Nach den Stücken und Drehbüchern von David Mamet („The Untouchables – Die Unbestechlichen“, „Wag the Dog“, „Oleanna“) reißen sich die Hollywood-Studiobosse ebenso wie die Theaterintendanten. Sein neuester Streich könnte zum weltweiten Renner werden: Die Anarchistin hat zwar nur die Ex-Terroristin Cathy im Titel, die nach 35 Jahren hinter Gittern auf ihre bevorstehende Freilassung hofft. Allerdings kommt ihrer Gegenspielerin, der Gutachterin Ann, die über das weitere Schicksal von Cathy entscheiden soll, mindestens genauso viel Gewicht bei. Genauestens prüft Ann jedes Wort der Gefangenen, stellt ihr in ihren Gesprächen gefährliche Fallen und jagt sie immer wieder in ein rhetorisches Minenfeld. Heraus kommt ein Stück, das sich mit den großen „Königinnen-Dramen“ messen kann und das Publikum schwindlig spielen dürfte. Martin Kušej inszeniert und sicherte sich die Uraufführung zeitgleich mit dem Broadway. Es duellieren sich: Sibylle Canonica und Cornelia Froboess.

Hedda Gabler Im Residenztheater

Die Angst vor der eigenen Vergänglichkeit ist in Henrik Ibsens Drama die bestimmende Hintergrundfolie. Inszeniert wird ein Spiel der Verstrickungen, in dem mehr als nur eine Lebenslüge aufgedeckt wird. Die Titelheldin ist zwar frisch verheiratet, aber schon wieder in Konventionen gefangen. Die Wiederbegegnung mit einem früheren Freund, der auch noch ein akademischer Widersacher ihres Gattens ist, tut ihr nicht gut. Doch dann schießt sich Hedda Gabler frei. Resi-Intendant Martin Kušej hat an der düsteren Doppelbödigkeit des Stücks, das so gar nicht unmodern wirkt, Gefallen gefunden und übernahm selbst den Regie-Part. Die Hauptrollen spielen Birgit Minichmayr und Norman Hacker.

Dantons Tod Im Volkstheater

Nur auf der Oberfläche historisch angestaubt ist der düstere Männerzweikampf Robespierre vs. Danton, den Christian Stückl nun für sich entdeckt hat. Wir schreiben das Jahr 1793: Nach ersten Erfolgen – der Kopf des Königs ist ab – verstricken sich die Rädelsführer der Volksbefreiung in niederen Grabenkämpfen. Der Eiferer Robespierre ist auf dem besten Weg, eine Diktatur zu errichten. Seinen Widersacher, den angeblich „sittenlosen“ Freigeist, lässt er verhaften, vor ein Tribunal stellen – und schließlich hinrichten. Georg Büchners Drama erzählt davon, wie wichtig es ist, Revolutionen zu wagen und dann einen unangreifbaren Kurs zu halten.

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Do 16. Mai -
Mi 29. Mai 2013
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